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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Schmelzmaterialien. Arsenik.

Die bedeutendste Rolle alsReinigungsmittel" spielt in der Glasindustriedie arsenigc Säure, der Arsenik (dLsO'fl, der fabrikmäßig durch Rösten arsen-haltiger Erze und Sublimiren des hierbei gewonnenenHüttenrauchs" oderGiftmehls" gewonnen wird, und dann als gelblich durchsichtige, oder weiße opakeMasse von glasig-muscheligem Bruche in den Handel kommt. In großen Quan-titäten dem Glasgcmengc zugesetzt, trübt er bisweilen das gewonnene Glas, obindeß jedes, oder nur stark basische (kiesclsäurearme) Gläser, ist nicht constatirt.Das fertige Glas enthält in den meisten Fällen, selbst wenn dem Gemenge großeQuantitäten Arsenik zugesetzt wurden, keine Spur mehr davon, in einzelnen Fällenindeß sind geringe Mengen von Arsenik im Glase nachgewiesen worden, so vonLudwig Spuren in französischem Crownglase und von Bädeker 0,022 Proc.(0,2 des Zusatzes) H.

Die Wirkungsweise des Arseniks im Glase ist eine vielfache; der wesentlichsteTheil derselben ist jedenfalls die durch die Verflüchtigung des Arseniks im Schmelz-hafen hervorgerufene starke Bewegung der schmelzenden Glasmasse. Andererseitswerden durch die leicht zu metallischem, schon bei circa 300" flüchtigem, Arsenrcducirbare arscnige Säure oxydirbarc Beimengungen des Gemenges mit Sauer-stoff versorgt, so Kohle verbrannt und Schwefelmetall in Sulphat umgewandelt,und hierdurch eine Entfärbung der gelben Masse bewirkt. Ferner kann die arsenigeSäure aber auch unter Umständen reducirend wirken, indem sie sich in die stärkereund feuerbeständigere Arsensänre verwandelt. In dieser Eigenschaft, als Rednc-tionsmittcl, wird der Arsenik z. B. zum Abblassen durch zu großen Braunsteinzusatzroth gewordenen Glases verwandt.

Denkbar, und nicht unwahrscheinlich, ist endlich noch eine weitere Art derWirkung des Arseniks, nämlich daß er als wenn auch schwache Säure der Ein-wirkung der Kieselsäure auf die Basen gewissermaßen vorarbeitete und sich mitletzteren, die Kohlensäure verdrängend, vorläufig verbände, um dann durch dieKieselsäure ausgetricben zu werden, ein Verhalten, auf das von Hartmann 2 )hingewiesen worden. Angewendet wird der Arsenik, indem er entweder gepulvertunter das Gemenge gemischt (älteste Art), oder in nußgroßcn Stücken mit derzuletzt aufgegebenen Portion des Gemenges in den Hafen gebracht, oder endlichvor dem Läutern in die schmelzende Masse geworfen wird, in welchem Fall er dannim dünnflüssigen Glase untersinkt, und sich verflüchtigend ein starkes Aufwallendesselben veranlaßt. Die Wichtigkeit des Arseniks, der von den meisten Glas-machern für unvermeidlich gehalten wird, bestrciten Einige, so z. B. Flammt,der behauptet, er habe denselben regelmäßig dadurch ersetzen können, daß er in demfertig geschmolzenen Glase durch eine bis auf den Hafenbodcn hinabgcstoßcne roheKartoffel starke wogende Bewegung hervorrief. Alle Versuche, die ich gemacht,beim Schmelzen von Gußspiegelglas den Arsenik zu beseitigen, scheiterten daran,daß das Glas ohne Arsenik regelmäßiggispig", von zahlreichen höchst feinenBlasen durchsetzt, ausfiel, mochte die Flamm'sche Kartoffel angewandt worden seinoder nicht.

1) Arch. d. Pharm. v. Bley und Ludwig 1Z0, 55.

2 ) Handbuch der Thon- und Glaswaarenfabrikation (Berlin 1842), S. 691.

") vsrrisr du XIX^E sisols (karis 1863), x. 56.