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Schmelzmaterialien. Kohle.
Noch wäre hier der Kohle Erwähnung zu thun, die entweder zur Zersetzungdes Alkalisulphats, oder als Färbemittel dem Glasgemengc sowohl als Holz- wieals Steinkohle zugesetzt wird. Das Glaubersalz wird von Sand allein nicht,bei Gegenwart von reducirend wirkender Kohle indeß leicht zersetzt. Die Wir-kungsweise der Kohle bei dieser Zersetzung des Sulphats wird dahin erklärt, daßdurch die Kohle das schwefelsaure in schwefligsaures Alkali verwandelt, letzteresdurch die Kieselsäure in kieselsaures Salz und entweichende schweflige Säure um-gesetzt würde. Es fände hiernach die Zersetzung ihren Ausdruck in den Gleichungen:R0 80-i>6^R0 802-?-00 und R0 80- -st 8iOr^RO 810^ st- 80-,und wären somit erforderlich zur Zersetzung von 100 Theilen Kalisulphat 6'9,von 100 Theilen wasserfreiem Natronsulphat 8'4 Theile Kohle.
In der Praxis genügen, wenigstens bei Gegenwart von rohem Kalkstein, gerin-gere Mengen, so für Glaubersalz 6 5 bis 7 Theile Kohle, und ist, kommt es auf Her-stellung farblosen Glases an, ein Ueberschuß sorgfältig zu vermeiden. Ganz soeinfach wie sie durch die vorstehende Gleichung dargestellt, geht indeß die Zersetzungim Glashafen nicht vor sich, wie das schon die anfänglich eintretende, das Vor-handensein von Sulphüren im schmelzenden Gemenge documentirende, stellenweiseBraunfärbung des letzteren, die sich später verliert, darthut. Neben einer Reactionnach der obigen Gleichung findet somit eine solche zwischen Schwefelalkali undschwefelsaurem Salze statt. Eine zu weit vorgeschrittene Bildung von Schwefel-metall, durch zu großen Kohlezusatz bedingt, kann durch rechtzeitigen Zusatz oxy-dircnder Agentien, so z. B. Arsenik, zur geschmolzenen Glasmasse meist nochcorrigirt werden. Selbstverständlich ist bei der Auswahl von Gemengekohle, nament-lich wenn Steinkohle verwandt wird, darauf zu achten, daß sie frei von Schwefel-kies, und möglichst wenig Asche hinterlasse.
Als Färbemittel ist die Kohle, wenn auch zum Theil unbewußt, seit derältesten Zeit im Gebrauche, wenigstens existiren zahlreiche antike gelbe und brauneGläser, die kein färbendes Schwermetall enthalten. Da in die Gemenge zu diesenGläsern die Kohle nur in Form nnausgebrannter Asche, so bei Heraclius (3, 7),oder Weinstein, wie noch bei Neri (3, 46), unbewußt gebracht wurde, andererseitsdas Gelingen von der größeren oder geringeren Quantiät in den Alkalisalzen vor-handenen Sulphats abhing, so war das Gelbwcrden des Glases vorn Zufalle ab-hängig. Der Erste, der bewußt und direct dem Gemenge Kohle zusetzte, warKunckeN). ' Nach Kunckel's Vorgänge wurde nun die Kohle zum Gelbfärbenweiter benutzt, und da man sich über die Art und Weise ihrer Wirkung keineanderweitige Rechenschaft zu geben vermochte, war man überzeugt, daß sie direct,wie die anderen färbenden Zusätze, wirke. 1858 erkannte Splitgcrber, daßdas angeblich durch Kohle gelb bis braun gefärbte Glas schwefelhaltig. Pslouze 2 )wies hierauf durch directe Versuche in St. Gobin nach, daß, wie Kohle, so auchSchwefel, Bor, Phosphor, Aluminium und Wasserstoff gelbfärbend auf gewöhn-liches Glas wirkten, und glaubte nach dieser Erfahrung zuerst annehmen zumüssen, daß aus der Kieselsäure durch solche Zusätze reducirtcs Silicium der fär-
viti'iaris,: Anmerkung zu Neri 3, 46.2 ) 6cm>xt, rencl. 60 (1865), 98S.