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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Deutscher Ofen des vorigen Jahrhunderts.

(Zla^s), diese Theile zu auch nach oben hin abgeschlossenen Canälen, denTonnen"oderPiepen" (tonnstss) umbildend. Die Seitenmauern mit den Arbeits-öfsnungcn (onvrsanx) so, sowie das lang über den Ofen hin sich spannendegroße Gewölbe, dieKappe" (oonronns), schließen dann den Ösen allseitig ab.

Hatte sich nun auch, für Steinkohlenbctrieb, der zuerst in England aufkam,die Nothwendigkeit herausgestellt, die Kohle auf einem Roste zu verbrennen undwar der Vortheil, den eine derartige Verbrennung in Bezug auf das Maximumder erreichbaren Ofentcmperatur bietet, auch bei Holzbetrieb, wie das die franzö-sischen Oefen darthun, mehrfach wohl erkannt worden^, so verging doch geraumeZeit, bis Holzösen mit Rosten, in Deutschland wenigstens, ziemlich allgemein Ein-gang fanden. Die Veranlassung zu solchem Zögern liegt auf der Hand, und istnicht nur dem, beim Glasmacher allerdings sehr ausgesprochenen, Haften am Alt-hergebrachten zuzuschreiben. Trotz der geringen Niveaudifferenz zwischen demRoste und den Arbeitslöchern, sowie der Feueröfsnung nach dem Kühlofcn hin,durch die in allen älteren Oefen die Ofengase ihren einzigen Abzug fanden, ist derZug im Glasofcn, in Folge der hohen Temperatur des letzteren, sehr bedeutend.Wird daher die Schicht des Brennmaterials auf dem Roste nicht sorgfältigst ingleichmäßiger und bedeutender Dicke und Dichte erhalten, was schon bei Stein-kohlen, geschweige denn bei den rasch verbrennenden Holzscheiten, seine Schwierig-keit hat, und soll es gut geschehen können, einen ausgebreiteten tiefen Unterbauunter dem Ofen voraussetzt, so brennt der Rost sich theilweise frei, es entsteheneinmal leicht weitere Oesfnnngcn in der Brcmnnaterialschicht, durch welche Strömekalter Luft mit Gewalt in den Ofen gerissen werden, den letzteren kühlen und mitden weißglühenden Häfen in Berührung kommend, diese, durch rasche und localeAbkühlung, zum Reißen,Brechen" bringen; dann aber wirkt auch die, von dermit Heftigkeit eindringenden Luft mitgerissene Asche des Brennmaterials, dieFlugasche", zerstörend auf die Ofenwände, sowie verunreinigend auf die Waareein. Solchen Uebelständcn, die selbst bei den bestconstruirten neuesten Röstöfenals nur gemildert, nicht beseitigt, angesehen werden können, Rechnung tragend,suchte man sich dann durch die nachstehend beschriebene Einrichtung der Tonne,die hier und dort, auf mit Holz schärenden Hütten, noch heute im Gebrauche, zuhelfen. Zunächst vertiefte man die Sohle der Tonne unter das Niveau des Fun-damentes //Fig. 21 (Längsschnitt), deckte den hierdurch gewonnenen Raummit einer von einem Loche durchsetzten Thoyplatte ww, deren obere Fläche mit derSchürcnsohle, wie in unserer Abbildung in eine Ebene gelegt, oder höher als letzteregestellt, und mit ihr durch eine feste schiefe Ebene verbunden wurde, ab, und schloßden Raum unter rv, der mit der Außenluft in Verbindung blieb und nebenbei alsAfchenfall (oonärisr) diente, durch einen vorgesetzten Thonkuchen, je nach Bedürf-niß mehr oder weniger ab.

Der Verschluß der äußeren Enden der Tonne wird in einer durch die ver-schiedenen Zwecke, denen diese Ocffnung, dasHafenthor", zu dienen hat, durch

0 Bereits in der deutschen Bearbeitung des Loysel'schen (1802) heißt es

S. 130:Die Anlegung eines Rostes ist eine Hauptbedingung, wenn Brennmaterialerspart und eine große Hitze hervorgebracht werden soll."