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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Gasheizung.

Gasheizung. Wird bei den bisher besprochenen Oefen mit directcr Hei-zung die Brennstoffschicht auf den Roste» erhöht, wie solches z. B. behufs Ver-meidung von Zug, Flugasche rc. während des Ausarbeitet des fertig geschmolzenenGlases zu geschehen pflegt, so gelangt das Brennmaterial an Ort und Stellenicht mehr zu vollkommener Verbrennung. Die dem Roste zunächst liegendeSchicht erhält zwar, durch den letzteren, das zu ihrer Umwandlung in Kohlensäureund Wasscrdampf erforderliche Luftquantum, über ihr ist dann aber kein dispo-nibeler Sauerstoff mehr vorhanden, und findet daher, in der nächstfolgenden Schichtzunächst eine Vergasung des Brennstoffs statt, bei der das eine Product deruntersten Verbrennungsschicht, die Kohlensäure, mit glühender Kohle zusammen-treffend, unter Aufnahme eines ferneren, dem in ihr enthaltenen gleichen Quan-tums Kohlenstoff, zu brennbarem Kohlenoxyd, der neben der Kohlensäure gebildeteWasserdampf seinen Sauerstoff ebenfalls zur Bildung von Kohlenoxyd hergebendzu Wasserstoff rcducirt wird. In einer vom Roste noch weiter entfernten Lagedes Brennstoffs findet endlich, da hier weitere Redaction der durchstreichendenGase nicht mehr vor sich gehen kann, nur noch trockene Destillation des Heiz-materials, als deren wesentlichste Productc gas- oder dampfförmige Kohlenwasser-stoffe auftreten, statt. Bis auf den der Luft entstammenden Stickstoff entsteigensomit bei großer Schichthöhe nur brennbare Gase, und zwar Kohlenoxyd, Kohlen-wasserstoffe, einige empyreumatische Destillationsproducte, sowie Wasserstoff derSchürgrube, denen, sollen sie überhaupt für die Erhitzung des Schmclzraumesnutzbar gemacht werden, neue Quantitäten Verbrennungsluft zugeführt werdenmüssen. Ist diese Luftzufuhr ungenügend, so erfüllen die schwälenden Gase denOfen mit trüber, dicker Flamme, und entweichen aus den Arbeitsöffnungen, oderden Zügen, als »»verbrannter Rauch. Schon bei größerer Schichthöhe desBrennstoffs wird somit der Schmelzraum eigentlich mit Gas geheizt, dem,damit überhaupt ein Brennen möglich, die zu solchem erforderliche Luft in älterenOefen durch die Gluthlöcher, in schon geeigneterer Weise, durch Plant's, die Bankdurchsetzende, in den obersten Theil der Schürgrube mündende, Lustzuzugsrohrcn,zugeführt wird.

Einen Schritt weiter in der Gasheizung ging, bei seinem Anthracitofcn, Chance,der, wie erwähnt, mittelst Gebläse die Luftzufuhr besorgte, und hierdurch dasQuantum derselben regulirbar machte; Bellford endlich trennte in seinem obenbeschriebenen Ofen die Erzeugung der brennbaren Gase von ihrer Verbrennungauch local, gab somit der Gasheizung bewußten Ausdruck, und benutzte zur Ver-brennung der Gase durch Gebläse zugeführte Luftquantitäten.

Verfolgt man die Spuren der Gasheizung auf Glashütten rückwärts, so zeigtesich, daß es, wenigstens zeitweilig in Anwendung gebrachte, Gasheizungen, mit vomSchmelzofen getrenntemGaserzeuger" oderGenerator" auch schon vorChance und Bellford gegeben, und scheint eine derartige Ausnutzung des Brenn-materials zuerst, wenn auch in sehr ungenügender Weise, auf böhmischen, mitBraunkohle schärenden Hütten, in Anwendung gewesen zu sein. Wenn es aufdiesen Hütten auch gelang, die Schmelze, nach Weicherstellung des Gemengesdurch überschüssiges Alkali, also auf Kosten der Güte des Productes, bei directcrBraunkohlenfeuerung zu besorgen, so ergab solche Kohle, war ihre Verbrennung