Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
128
JPEG-Download
 

128

Gasheizung.

lebhaft, zu viel Flugasche, bei geschlossenem Roste dagegen zu wenig Hitze, um dasfertig geschmolzene Glas, trotz seiner Leichtschmelzbarkeit, bei directer Feuerungmit ihr ausarbeiten zu können. Wo Holz vorhanden war, begnügte man sichdaher damit, mit Braunkohle zu schmelzen, und bei Holzfeuerung zu arbeiten, wodieses aber fehlte, war man genöthigt, für die Arbeitszeit zur Gasfeuerung seineZuflucht zu nehmen, heizte, kurz vor Beendigung der Schmelze, die Generatoren,in denen das Brennmaterial hoch aufgeschichtet, an, verschloß dann die Rosten desSchmelzofens durch eine dicke Schicht von Lehm und Stroh, bis auf wenige Oeff-nungen, und führte durch die Vorwaudgestcllc, mittelst, die Gaskanäle der Gene-ratoren mit der Schürgrube verbindender 28 bis 30 oin weiter Knieröhren, dieProducte der ersteren in den Schmelzofen, in dem sie sich mit durch die freigeblie-bencn Rostöffuungen eindringender Luft mischten und entzündeten. Diese primi-tivste Form bewußter Gasheizung, bei der weder Gas noch Luftzutritt regulirbarwar, gab nur sehr ungenügende Resultate, und war es bei ihr nicht einmal mög-lich, den Ofen, für die Zeit der Arbeitsdauer, auf genügender, weit unter gewöhn-licher Schmelzhitze liegender, Temperatur zu erhalten. Alle 3 Stunden niußtegerastet, und der Ofen wieder aufgeschirrt werden I.

Um das Jahr 1850 herum beginnt auf den Glashütten, was die Einführungund Vervollkommnung der Gasheizung betrifft, ein regeres Streben und wäre,nach Bontemps, Fickcntscher zu Zwickau, der sich mehrfach um die Glas-industrie hervorragend verdient gemacht, auch der erste gewesen, der zu Schmelzeund Arbeit einen Gasofen mit, in abgesondertem Generator, erzeugten Braun-kohlengase dauernd verwandt hätte. Er producirte bei derartiger FeuerungSchwcfelfäurcballons und Fensterglas mit bedeutend besserem Erfolge als bei di-recter Braunkohlenheizung.

Der Fickentscher'sche Generator ist ein cylindrischer 2 m hoher Schacht,unten mit einem Rost von circa 80 <pom, oben mit einer Schüttvorrichtung ver-sehen, die aus zwei mit der Spitze gegeneinander gekehrten abgestumpften Hohlkegcln,deren unterer durch ein versenkbares kegelförmiges Ventil geschlossen wird, besteht.Auf dem Roste dieses Generators brennt, und unterliegt der trockenen Destillation,eine 60 bis 70 om hohe Schicht grober Kohle, und werden die aus dieser ge-wonnenen Gase durch ein in circa 1'5 m über dem Roste seitlich angebrachtesAbzugsrohr von dem, in einer Entfernung von 6 bis 8 m von der Hütte auf-gestellten Gaserzeuger dem Schmelzofen, dessen kräftig functionirender Kamin sieansaugt, zugeführt.

War nun auch durch Fickcntscher's Ofen die Verwendbarkeit der Gas-heizung für Glasöfen dargethan, und waren in demselben wenigstens zwei ihreigene Vorzüge, die leichtere Rcgulirbarkeit der Flamme, und durch solche bedingteBeseitigung des Rauches, sowie die Möglichkeit die Schüre mit dem rohen Brenn-material, dessen vorn Zuge mitgerissene Kohlenpartikel, und Flugasche die Waareverdarben., vom Schmelzraume zu trennen, erkannt, so bedurfte die Einrichtungdieser ersten Generatoren doch noch mancher Verbesserung, um allen billigen An-sprüchen zu genügen; namentlich erschien die Beseitigung des in großen Quan-

Steinmann, F.i Compendium der Gasfeuerung (Freiberg, 1868), S. 52.