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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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157
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Neuere Ofenconstructionen. 157

C. Nehsc's Ofen (österrcich. Patent von 1870, belgisches von 1874) zuerst aufösterreichischen und böhmischen Hütten ausgeführt, neuerdings aber auch außerhalbOesterreichs sich mehr und mehr verbreitend, bedarf keines Gebläses, und zeichnet sichnamentlich durch Einfachheit der Construction und der Handhabung, sowie durch ihm,wie allen Gasheizungen, eigene Reinheit der Flamme, und gute Regulirbarkeit derTemperatur, aus. Seine Generatoren sind den Sicmens'schen ähnlich, und wie jenemit Theercondensatorcn versehen. Gas und Luft treten erhitzt in den Schmclzraum,und zwar in die Mitte desselben, ein, und werden pcripherisch abgeleitet. Indem dieabgehenden Verbrennungsproducte in einem, diö Zuführungskanäle umschließendenKanäle nach dem Kamine ziehen, geben sie einen Theil ihrer Wärme ab, und kommtdieser somit der Erhitzung des Ofens wieder zu Gute. Ist nun auch die Ueber-tragung der Wärme der abgehenden Ofcngase, bei dieser Anordnung, selbstver-ständlich keine so wirksame, als in den Siemens'schen Regeneratoren, so wirdandererseits der Klappcnapparat vermieden, der Ofen beansprucht daher keine sosorgsame Ueberwachnng, und giebt im Vergleiche mit, mit directer Feuerung ver-sehenen oder mit gänzlich unvorgewärmt zuströmender Luft betriebenen Oefen, beirichtiger Handhabung, recht günstige Resultate.

Dsvillez H hat im vorigen Jahre den Borschlag gemacht, einen drcictagigenGlasofen zu benutzen. In den Häfen der obersten Etage soll das Gemenge ge-schmolzen, das rohe Glas dann in die Häfen der zweiten Etage abgelassen undhier blank geschirrt werden. Endlich käme es dann in gedeckten Häfen der unterstenEtage zur Ausarbeitung; doch erscheint es sehr zweifelhaft, ob auf diese Weisebrauchbares Glas gewonnen werden könne.

Rccapitulirt man die Fortschritte, die der Ofenbau, namentlich in dem letztenJahrhunderte gemacht, so ist ein Staunen darüber, wie es den Altvordern mög-lich gewesen, in ihren in jeder Hinsicht mangelhaften Schmelzöfen Werke zu schaffen,die noch heutigen Tages in vieler Beziehung mustergiltig sind, wohl berechtigt; an-dererseits aber dürfte sich ebenso ergeben, daß die Zeit nicht mehr ferne, in dernoch mit directer Feuerung versehene Glasöfen zumAltväterhansrathiG gehören,den selbst entlegene, und von der täglich wachsenden Concnrrcnz weniger gedrückte,weil auf einem bestimmten Absatzgebiete, durch mangelhafte Communicationsmittel,Schutzzölle oder andere locale Bedingungen monopolisirtc, Fabriken aufzugeben,sich genöthigt sehen werden. Selbst wo noch Holz als ausschließliches Brenn-material zur Verwendung kommt, somit der dirccten Feuerung besonders günstigeVerhältnisse herrschen, sind die Vorzüge der indirccten Feuerung als namentlich:Brcnnmaterialersparniß, Vermeidung von Flugasche und Rauch, leichte Regulir-barkcit der Ofcntcmperatnr u. a. m. so in die Augen springende, daß schon einbedeutender Abscheu vor Neuerungen dazu gehört, in beliebter Weise beim Alten zubleiben; bei anderen Brennstoffen aber, steigern sich diese Vorzüge in dem Maaße, alsdas Brennmaterial bei directer Feuerung schwerer zu behandeln, ja liefern die Mög-lichkeit, zur'Hcizung des Glasofens, ohne Schwierigkeit, ein Material zu verwenden,das früher zur Production einigermaßen guten Glases absolut unbrauchbar erschei-nen mußte.

ff Waaner's Jahresbericht 19, (1873), 463, nach: Berichte der deutschen chemischenGesellschaft'1873, S. 1271.