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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Wasserglasfabrikation.

Die Wasserglas- und Smaltefabrikation.

Wir haben in den letzten Abschnitten die Bildung des Glases aus dem Ge-menge Schritt für Schritt verfolgt, bis es lauter geschärt, und auf die der erfor-derlichen Bildsamkeit entsprechende Temperatur abgekühlt, zur Ausarbeitung fertigvorlag; ehe wir uns aber nun der letzteren zuwenden können, bleiben hier zweiArten Glas und ihre fabrikmäßige Darstellung näher ins Auge zu fassen, die >einer Ausarbeitung im Sinne formgebender Behandlung überhaupt nicht unter-liegen, von denen die eine, das Wasserglas, sich aber zu sehr allgemeiner und aus-gebreiteter Anwendung geeignet erwiesen, und daher in großen Massen producirtwird, die andere, die Smalte, als Farbstoff Verwendung findet. —

Das Wasserglas. Wird Kieselsäure mit den Carbonaten der Alkalienallein verschmolzen, so gewinnt man, bei richtigem Verhältnisse der Gemenge-bestandtheile, ein Glas, das leicht schmelzbar, sich in seinem Aeußeren von ge-wöhnlichem Glase nicht unterscheidet, sich aber in siedendem Wasser ziemlich leichtund vollständig löst, und das, solcher Löslichkeit in Wasser wegen, von seinemEntdecker, Joh. Nep. v. Fuchs, der dasselbe 1818, unbeabsichtigter Weise, er-hielt, als er, behufs Darstellung reiner Kieselsäure, sich Kiesclscuchtigkeit herstellenwollte, mit dem Namen Wasserglas belegt wurde. — Bald nach seiner Ent-deckung bereits, wurde die vielseitige Anwendbarkeit dieses löslichen Silicats er-kannt i), und dasselbe zunächst, zum Jmprägniren von Holz und Geweben, umsolche weniger leicht entzündlich zu machen — so 1823 beim Wiederaufbau desabgebrannten Münchener Hof- und Nationaltheaters, für das Fuchs mit Petten- ^kofer das Wasserglas zuerst im Großen darstellten — dann 1829 von Seb.Leibl in München zur Herstellung bleifreicr Glasur auf Thongefäßen, endlich fürdie Zwecke der Freskomalerei, in der, nachdem 1842 die einschlagenden VersucheFuchs' und Schlotthauer's über das von ihnen „Stcrcochromie" genannteVerfahren bekannt geworden, W. v. Kaulb ach dasselbe bei Herstellung seinerFresken im neuen Museum in Berlin 1847 in großem Maßstabe verwandte,vielfach benutzt. Die ersten Fabriken, von denen das neue Product geliefertwurde, waren diejenigen von Joh. G. Dingler in Augsburg, die bereits 1826in Thätigkeit war, von W.E. Fikentscher in Redwitz (1835 gegründet) und eineunter C.F. Anthon 1840, auf gräflich v. Wurmbrand'schen Gütern, zuWeißgrünin Böhmen, angelegte 2). In Frankreich hatte die Verwendung des Wasserglasesnamentlich durch die Bemühungen und Publikationen Kuhlmann's inLille^) festenBoden gewonnen, und wurde dasselbe zunächst im Baufachc vielfach benutzt, umSteine, Stuckatur und Anstriche gegen die Einflüsse der Witterung zu schützen.

Liebig berichtete über die Kuhlmann'schen Arbeiten und Erfolge, lenktehierdurch die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland diesem Gegenstände zu, und

i) Fuchs in Kastner's Archiv (1825), 5 , 865. — 2 ) Die historischen Angaben nach:Wagner's Jahresb. üb. d. Fortschr. d. chem. Technologie (1856), 2, 90. — ch rinn. äs6üiui. st äs (3) 21 , 364; hiernach: Dingler's Jvnrn. 81 , 133; 106 , 425.

Ooiuxt. rsuä. 40 , 1335 ; 41 , 162; hiernach: Dingler's Journ. 87 , 288, 358, 436.