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Smaltefabrikation.
tige Glas ausgeschöpft wird, /r/r die die Wand durchsetzenden Knielöcher, -r-r end-lich, Mulden zur Aufnahme der abgestochenen Speise darstellen.
Um das in den Erzen vorhandene Kobalt möglichst auszunützen und in dasGlas überzuführen, die fremden Metalle aber so weit möglich abzuscheiden, isteine, auch während der Schmelze noch fortdauernde chemische, entweder oxydirende,oder reducirende Einwirkung der Flamme auf die schmelzende Masse erwünscht,und, um für eine solche günstigere Bedingungen zu gewinnen, dann das Schmelzenin Häfen mehrfach aufgegeben, und an feine Stelle ein Schmelzen des Gemengesauf der, nach der einen Seite des circa 3 in langen, 1'3 in breiten Flammofensgeneigten, ebenen Sohle, wie ein solches z. B. in Hasfervde am Harz üblich, ge-treten. Das auf dem höchsten Theile der Sohle aufgegebene Gemenge kommtin diesen Oefen, mit eisernen Krücken fleißig durchgearbeitet, mit der Flamme ininnige Berührung, schmilzt allmälig, und fließt die geschmolzene Masse dann nachdem tieferen Theile des Ofens, dem „Tümpel" ab, aus dem sie, in etwa4 Stunden vollkommen durchgeschmolzen, nach erfolgte« Abstechen der Speise,wie aus den Häfen des Hafenofens, mit eisernen Kellen in Wasser ausgeschöpft wird.
Das im Wasser abgeschreckte Kobaltglas wird nun zunächst, behufs Abschei-dung noch zurückgebliebener, in dasselbe eingeschlossener Speisepartikel, auf einemKollergang zerquetscht und verwaschen, dann feucht auf den, gewöhnlichen Ge-treidemühlen ähnlichen, „Farbemühlen" gemahlen, und endlich durch einenumständlichen Schlämmproceß, die „Smalteaufbereitung", seiner Korngrößenach in verschiedene Sorten geschieden, von denen die gröbste als „Streublau",eine feinere als „Couleur" (wovon die dunkelste Sorte „Azur- oder Königs-blau"), die von dieser abgeschlämmten feinsten Massen endlich, die sich zum Theileerst in 3 bis 4 Wochen aus dem Schlämmwasser absetzen, und dann durch Bei-mengung durch das letztere zersetzten Glases in ihrer Färbung geschädigt erscheinen,als „Eschel" bezeichnet werden.
Die in solcher Weise erhaltenen, durch nochmaliges Aufrühren mit Wasserdurchgewaschenen, und durch Absitzenlassen wieder gewonnenen fein pulversörmigenGläser geben dann, in mäßig geheizten Räumen getrocknet, und, da sie hierbeizusammenbacken, mittelst mechanischer Vorrichtungen (Quetschwalzen), zerkleinertund gesiebt, das Material zum Mischen der Handelssorten der Smalte, von vor-her bestimmtem Ton und verlangter Tiefe der Färbung. — Für die Handels-waare sind Bezeichnungen der Producte der Blaufarbwerke üblich, die aus denAnfangsbuchstaben der Bezeichnungen für die erwähnten, auf einander folgenden,Absätze des Schlämmprocesses als: „Blau" oder Streublau — L (hierfür auchwohl L), „Couleur" — <7 und „Eschel" — Z?, Buchstaben, die somit dieFeinheit des Korns bezeichnen, und nach der Tiefe des Tons vom helleren zumdunkleren aufsteigend, mit 0 — ordinär, M — Mittel, F' — sein, sowie für dieintensivsten Färbungen mit ik'I' oder Kib' — superfein, combinirt werden.
Eine grüne Smalte, durch Chromoxyd gefärbtes Kaliglas, ist als schöne,lebhafte und beständige Farbe 1858 durch Reinhardt empfohlen worden ft.
Wagner's Jahresbericht 4, 2t1 (1858) nach einer Privatmittheilung.