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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Kryolithglas.

sich unzweifelhaft auch das amerikanische Product, da bei aus ihm in der Formhergestellten Objecten die äußerste, rasch erkaltete Glasschicht auch nur opalisirenderscheint, während die tieferen Schichten völlig opak sind.

Ist nun hier das Undurchsichtigwerdeu, wie das durch die Analyse dargethan,nicht gelöstem und später sich abscheidendem Kieselfluormetall zuzuschreiben, woraufunter Anderem auch schon hinweist, daß, wie Richters nachgewiesen I, unbeschadetder Durchsichtigkeit des erschmolzenen Productes, Fluorcalcium zu Bouteillenglas anStelle des Kalkes verwandt werden kann, so kann nur der hohe Thonerdegchaltder die Trübung des Kryolithglases veranlassende Factor sein, wie solches auchschon dadurch wahrscheinlich geworden, daß crfahrungsmäßig an Stelle desKryoliths mit demselben Erfolge Natronaluminat zur Milchglasherstellung ver-wandt werden kaun. Dann aber ist die Trübung wohl eine Ausscheidung feld-spathartiger Massen aus einer für niedere Temperaturen übersättigten Lösungin Natronsilicat, und könnte dann das letzt aufgeführte Kryolithglas beispielsweiseaufgefaßt werden, als bestehend aus:

Kieselsäure Thonerde Natron

S6'6 Proc. Mbit 39'2 10'8 6'6

43'4 2Na0,5 8102 30'7 12'7

lOO'O Proc. Kryolithglas 69 9 Üp8 19'3Proc.

Kam, wie erwähnt, das Kryolithglas in großem Maßstabe auch erst vouAmerika aus in den Handel, so wurde, nach einer Mittheilung Weiskopf'sdas grönländische Rohmaterial, unter der BezeichnungMilchglas-Composition",doch bereits gegen Mitte der sechsziger Jahre unseres Jahrhunderts von böhmischenund schlesischen Glasfabriken zur Herstellung opaker, weißer Gläser benutzt, undaus einer schlesischen Metalloxydfabrik zu solchem Zwecke bezogen.

Nach Ellis^) geben Gemenge von 1 Thle. Kryolith mit 2 bis 4 Thln.reinem Quarz ein schönes Glas, doch dürfte, wenigstens auf Grundlage meinesoben angeführten Schmelzversuches, es zweifelhaft erscheinen, ob aus der quarzreichstender Ellis'schen Mischungen ein Product erhalten werden könne, das vor derPfeife noch gut verarbeitbar. Welchen Nutzen der Zinkoxydzusatz zum Gemengein dem von Williams geprüften Glase haben soll, ist nicht recht klar, vielleichtist er in der Absicht gemacht, das Glas geschmeidiger, und weniger rasch erstarrendzu erhalten. Beim Schmelzen entwickelt das Kryolithglas große Mengen vonFluorsilicium, die, mit dem Wasserdampf der Verbrennungsgase zusammentreffend,sich zersetzen, den Ofen mit dicken Wolken erfüllen, und in den Zügen des letztereneinen bedeutenden Absatz voluminöser, flockiger Kieselsäure bewirken, auch greiftdas Kryolith-Sand-Gemenge die Häfen (angeblich auch das Ofenmaterial s?s)

r) Richters, E. Ueber Verwendbarkeit des Fluorcalciums in der Glasfabrikation.Dingler's Journ. 191 (1869), 301. Dingler's Journal 196 (1870), 482, nachvbsiaio. lssvs,1870, Nr. 560. ») Ein Auskrystallistren feldspathartiger Massen ausGlas wurde neuerdings wieder constatirt durch Eug. Peligot: Dingler's Journal 213(1874) 329 nach Lullst, cks In Looists ä'suvours.^einsut, 1874. Juli. ch Dingler'sJournal, 189 (1868), 180. -h Dingler's Journal, 188 (l868), 340 nach Ollsmis.disrvs 1868, Nr. 428 und 446.