Grünes Kalkglns. 283
Sehr ähnliche warme Töne, die dabei weit constanter, lassen sich durch Ver-wendung von Nickeloxyd mit einem sehr geringen Cobaltoxydversatze herstellen.
Die rothen Färbungen, seien dieselben durch Gold oder durch Kupferoxydulhervorgerufen, sind in Alkalikalkglas zwar herstellbar, ermangeln aber in diesemdes Feuers, das ihnen in Bleigläsern eigen, und werden daher besser in letzterengewonnen, und auf die Alkalikalkgläscr durch den Proceß des „Ueberfangens"übertragen. Auf sie, wie auf die Herstellung der überfangenen Gläser, näher ein-zugehen, wird daher bei Besprechung der Bleigläser Gelegenheit genommen werden.
Grün wird das Glas durch Eisenoxydul, Kupferoxyd, und neuerdings durchChromoxyd gefärbt, welche Oxyde einzeln, oder mit einander gemischt, dem Ge-menge zugesetzt werden. Das Eisenoxydul liefert hierbei das bekannte Bouteillen-grün, dessen bräunlicher Stich durch einen Versatz mit Braunstein verstärkt werdenkann; Kupferoxyd giebt ein kaltes Blaugrün; Chromoxyd ein leuchtendes Grasgrün,das ausgesprochen gelben Stich besitzt.
Sehr verbreitet waren schon im Alterthume grüne Glasmassen, die geflissent-lich gefärbt, und wiederholt geschieht von alten Autoren der aus solchen hergestelltenimitirten Smaragde, oft von fabelhafter Größe, Erwähnung H. Einen mitKupfer grün gefärbten Glasfluß empfiehlt dann im Mittelalter Hermelins zumBemalen von Thongefäßen 2 ), und werden grüngefärbte Gläser auch von Agricolaund Mathesins wiederholt erwähnt, welch letzterer z. B. ausdrücklich anführt:„Solche grüne färbe (zu Weingläsern) machet man dem glas mit hammcrschlag,wie sie auch rot und gelb glas mit braunstem und kupferschlag ferbcn" ^). Neri,Merret und Kunckel geben sowohl für die Präparation des zu benutzendenKupfers, als für mit ihm, mit und ohne Zusatz von Eisenoxyd, anzufertigendeGlasgemenge, mehrfache Vorschriften H, und scheint die Verwendung des Kupferszu diesem Zwecke auf den Hütten nie gänzlich außer Gebrauch gekommen zu fein.
Das unvcrmischte Eisenoxydulgrün, die Farbe der gewöhnlichen Bordeaux-flasche, ist als „ordinär" für feinere Waare im Ganzen nicht beliebt, obgleich es,für manche Zwecke, so z. B. für die Anfertigung der sogenannten „Römer",namentlich wenn es licht gehalten, und durch Brannsteinzusatz der ihm eigenebräunliche Stich verstärkt wird, dem hier bisweilen angewandten kalten Blaugrnnentschieden vorzuziehen ist. Noch weniger brauchbar, als das eben besprochene, istim Allgemeinen das reine Knpferoxydgrün, sowohl seines allen Feuers erman-gelnden Farbcntons, als seiner nur geringen Intensität wegen. Eine Reiheschöner und satter Grüne gewinnt man aber, wenn man die beiden färbendenOxyde in wechselndem Verhältnisse mischt, wo dann bei vorwiegendem Eisenwärmere, bei überwiegendem Kupfer kältere Töne entstehen. So rccommandirtBontemps b) für in offenen Häfen zu schmelzendes, einen Stich ins Gelblichebesitzendes und bei 1 bis 2 min Glasstärke noch recht intensiv grünes Tafelglas,das nachstehende Gemenge I., Flamm 6) für böhmischen Krystall das Gemenge II.
i) So z. B. Plirckus: Irist. nntnr. 37, 75. — 2 ) x)s 'eoloridns koinoiroruin2, 19. — 3) 8arsxta, Fünfzehnte Predigt. — Xrs vitrarig.: Neri 1, 14, >5, 22bis 26, 35 und Merret's wie Kunckel's Anmerkungen zu den citirten Capiteln. —5) (knicks ckn vsrrisr, p. 361. — 6) Verlier cku XIX. sieels, p>. 380.