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Bleikrystall.
Ist nun auch gegen die Möglichkeit befriedigenden Erfolges beim Verschmel-zen einer derartigen Mischung, von rein theoretischer Seite, wenig einzuwenden,so erscheint derselbe, bei der großen Empfindlichkeit des Bleiglases, gegen reduci-rende Agentien, doch immerhin sehr zweifelhaft, geben doch fogar Gemenge, indie. an Stelle der beim Erhitzen sauerstoffabgcbenden Mennige, kohlensaures Blei-oxyd aufgenommen, ein Glas. das den hohen Ansprüchen, die man an die Farb-losig- und Durchsichtigkeit feinen Krystalls zu erheben berechtigt, nicht gerecht zuwerden vermag, das daher nur auf ordinären Halbkrystall verarbeitet zu werdenpflegt.
Mag bei Auswahl, resp. Herstellung oder Reinigung der Schmelzmatcria-licn auch die größte Sorgfalt obgewaltet haben, so besitzt das Bleiglas doch durch-gängig einen leichten Stich ins Gelbe und ist daher, um solchen zu verdecken,eines geringen Versatzes mit einem Entfärbungsmittel bedürftig. Als solchesdient meist der Braunstein, durch dessen richtige Bemessung ein geübter Schmel-zer großen Nutzen zu schaffen und sich der Hütte so gut wie unentbehrlich zumachen vermag. Wie unsicher alle Braunsteinfürbung, ist noch im vorigen Ab-schnitte hervorgehoben worden, es ist daher wiederholt der Vorschlag gemacht wor-den, das Mangan durch Nickeloxyd zu ersetzen. So empfiehlt Kohn, auf derHütte Nenkrng in Westpreußen, als Maskirungsmittel ein Gemenge von Nickelund Antimonoxyd, mit dem er vorzügliche Resultate erreicht haben wilG),Schwarz 2 ) reines Nickeloxyd, von dem nach dem „Tcchnologiste" ch etwa 15 bis20 A pr. Hafen erforderlich wären. Daß dieses Quantum in den meisten Fäl-len schon viel zu groß, da es eine deutlich wahrnehmbare Kirschbrauufärbunghervorzurufen im Stande, davon habe ich mich bei Hohlglas wiederholt zu über-zeugen Gelegenheit gehabt. Ungeachtet der durch die Braunsteinverwendungusuell gewordene, und beliebte, leicht röthliche Stich gut entfärbten Krystallglasesmit Nickeloxyd nicht in seiner vollen Klarheit herstellbar, hat sich das letzteredoch vielfach auf den Krystallhütten eingebürgert, besonders nachdem es. zuerst inFrankreich durch dc Fontenay zu Baccarat. mit gutem Erfolge angewendetworden.
Der meiste, heutigen Tages im Handel vorkommende Halbkrystall ist, sei-ner Bezeichnung entsprechend, ein zusammengeschmolzenes Gemenge von Alkaliblei-und Alkalikalkglas, das sich durch höheres specifisches Gewicht, meist auch wohlhöheren Glanz, sowie leichtere Schmclzbarkeit und geringere Härte, von gewöhn-lichem Hohlglase unterscheidet, und namentlich in England und Belgien, auf inder Form erblasenes Hohlglas niederer Gattung, so das später zu besprechendeordinäre Preßglas, verarbeitet wird. Zu seiner Herstellung werden demgemäßmeist Gemenge benutzt, in denen die Verhältnisse der Einzelbestandtheile sich ausder Combination bleifreier und bleihaltiger Sätze ergeben. Da das herzustellendeGlas, in Folge seines Bleiglasgehaltes, leichter schmelzbar wird als entsprechendzusammengesetztes Alkalikalkglas, ist, soll ein Halbkrystallsatz aus einem Weißglas-
0 Wagner's Jahresbericht 2, 103 nach Eisner: Chem. teckm. Mittheilungen1854 bis 56, S. 95. — ch Wagncr's Jahresbericht 3, 192. — 3) Dingler's Jour-nal 183, (1862) 465.