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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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308 Ueberfangglas.

Pfeife umdreht, es hierdurch mit einer Schicht farbigen Glases umhüllt, und, istsolches geschehen, in gewöhnlicher Weise weiter ausarbeitet, wobei die Umhülluugs-schicht, mit der Ausdehnung der Glasblase an Dicke natürlich abnimmt. Beikleinen Objecten, mit denen es die Krystallglasfabrikation im Allgemeinen zu thunhat, liefert diese Art des Ueberfangens, soll der farbige Ueberzug nicht für Nelicf-schliff benutzt werden, meist unbefriedigende Resultate, da die aufgetragene Glas-schicht dick bleibt, sich auch die Menge, des mit der Pfeife aufzunehmenden Glases,nicht wohl willkürlich bemessen läßt, es findet dieselbe daher für Hohlglas nur ^beschränkte Verwendung, wird aber, für billige Farben, in der Walzcnglasfabri-kation viel benutzt.

Nicht viel häufiger wird für Hohlglas, wenigstens in Deutschland, das so-genannte Ueberfangen von innen angewandt, bei dem der Arbeiter zunächst einekleine Portion farbigen Glases an seiner Pfeife aufnimmt, dieses auf dem Walg-stockc abrundet und zu einem kleinen, noch dickwandigen Kölbchen aufbläst, solchesbis aus dunkele Rothgluth sich abkühlen, und hierdurch völlig erstarren läßt, undnun, auf den: farbigen Kölbchen, die znr Herstellung seines Arbeitsstückes erfor-derliche Menge farblosen Glases aufsammelt, eigentlich also, das farbige mit demungefärbten Glase dick überhängt. Die Vortheile, die dieses Verfahren, wo es sichverwenden läßt, bietet, bestehen einmal in der Möglichkeit, bei gehöriger Uebung,die Stärke der farbigen Schicht genauer vorher bestimmen zu können, dann darin,daß, was namentlich für das Ueberfangen bei freiem Feuer gearbeiteter, nicht blei-haltiger Gläser, so des Fensterglases wichtig, gegen redncirendc Einwirkung derOfenflamme empfindliche Farben durch die umhüllende Glasschicht vor solcherEinwirkung geschützt werden. Uebelstände dieser Art des Ueberfangens sind da- '

gegen, daß in den „Pfcifennäbeln" dem an der Pfeife haften bleibenden farbigen ^

Glase, viel, und oft theueres Material, durch Abbrand verunreinigt, verloren geht,so wie daß, ist die umhüllende Schicht weißen Glases nur einigermaßen starkund bemerklich, solches bei Hohlglas auf den Effect meist nachtheilig einwirkt.

Das in Deutschland am häufigsten benutzte Ueberfangsverfahrcn ist dasnachstehende, bei dem — für die Ausarbeitung farbiger, namentlich mehrfarbigerArtikel ein großer Vortheil — das zum Ueberfangen bestimmte Glas nicht flüssigzu sein braucht, sondern in vorräthig geschmolzenen, häufig auch wohl von auswärtsbezogenen „Zapfen" (oolonims): massiven Stangen von circa 5 om Durchmesserbei 20 bis 30orn Länge, die bei der Arbeit in einem Nebcnofcn bis auf begin-nende Rothgluth erhitzt worden, znr Verwendung kommt. Soll ein Arbeitsstückmit Hülfe dieser Zapfen farbig hergestellt werden, so formt der Glasbläser zu-nächst wieder sein Kölbchen aus ungefärbtem Glase. Untcrdcß hat sein Gehilfeam Hefteisen ein Minimum Glas aufgenommen, mittelst desselben einen Zapfenvon der verlangten Farbe an das Eisen festgeklebt, und diesen im Arbcitslochc biszum Wcichwerden erhitzt. Er drückt nun das freie Ende des Glasstabes gegenden Boden des ihm vom Bläser präsentirten Kölbchcns und heftet es hierdurch hieran. Sobald die beiden Glasstücke fest an einandcrgcklebt, schneidet er mit derSchcerc soviel, als für den farbigen Ueberzug erforderlich, von dem weichen jZapfen ab, wärmt das Kölbchen von neuem an, breitet das angeheftete Glas überdasselbe, zunächst mit dem Plättcisen, aus, und sorgt, durch wiederholtes Anwär-