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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
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Bleikrystall: Goldrubin. 313

Durch Eisen und Kupfergrün wird das Violett des Mangans, namentlichin kalihaltigen Gläsern, wie das, wo es sich um Entfärbung handelte, bereits an-geführt, einigermaßen neutralisirt. Der hierbei gewonnene graue Ton ist diezuneutral" gefärbten Schutzbrillengläsern benutzte, unter der BezeichnungImnäon snrotrs" bekannte Farbe. Für Herstellung derartiger Gläser giebtBontemps den Satz: -

Sand.100

Mennige.50

Pottasche . 28

Soda........ 10

Braunstein. 4

Eisenoxyd ..... 3

Kupferoxyd. 2

Eine ähnliche Färbung liefert übrigens auch ein dem vorstehenden imklebrigen gleich zusammengesetztes Gemenge, in dem Mangan und Eisenoxyddurch Nickeloxyd ersetzt sind, wo dann das Braunroth, das durch letzteres Oxydim Glase hervorgerufen wird, und das Kupfergrün durch chromatische Einwir-kung aufeinander das Grau erzeugen.

Für die Rothfärbung des Krystalls, wie des Glases überhaupt, wird beilichten Tönen, wie solche bei in der Masse gefärbtem Krystall hauptsächlich vor-kommen, so gut wie ausschließlich nur das Gold, verwandt, das je nach Quan-tität des Zusatzes die ganze Schattirung vom zartesten Rosa, bis zum tiefenPnrpurroth liefert. Für überfangenes Glas dagegen, bei dem cS sich um tiefeTöne handelt, spielt, schon der leuchtenderen blutrothen Farbe, wie der billigerenHerstellung wegen, das Kupferroth die wichtigere Rolle.

Wie den Alten, so ist, nach dem bisher bekannt Gewordenen, das Gold-roth auch den Glasmachern und Malern des Mittelalters unbekannt gewesen,und fällt, nach Knapp, die erste Anwendung desselben in die Zeit des Erlöschensder kirchlichen Glasmalerei, das alchemistische Zeitalter der Chemie. Näheres istnicht bekannt. Libavius spricht (in seiner 1595 erschienenenAlchemia") dieAnsicht aus, daß Rubine durch künstliche Färbung mit Goldlösung erhalten wer-den können^. Zu Anfang des XVII. Jahrhunderts erwähnt Neri die Roth-färbung des Glases durch Gold 2 Mal und zwar im 5. Buche Cap. 90, wo ermeint:daß ein jeder fleißige und sorgfältige Künstler wird aus dem Gold eineBerwunderungsschöne rothe Farbe extrahircn können;" sodann im 7. Buch, Cap.128, wo es heißt:Man calciniret das Gold mit J.gna RsZis, und gießet ebendieses Wasser zum fünften oder sechsten mal darüber. Solches Goldpulvcr wirdin einen reinen Tiegel gethan und so lang in den Reverberir-Ocffelein gehalten,bis es roth wird, welches innerhalb etlichen Tagen geschiehet. Dieses rothe Pul-ver nun, so es einem gereinigten Krystall, welches zum öffteren in das Wassergeworfen, behutsam und gemächlich zugesetzet wird, so wird es die Nöthe eineswarhafftigen oder natürlichen und durchsichtigen Carbunckel-Steins erlangen."

Knapp: Ehern. Technologie 2, 209.