344 Flußsäureätzung.
strichen, so daß nur die beim Netzen gewonnenen Vertiefungen in der Oberflächedes Steines mit Asphaltmasse gefüllt bleiben. Jetzt legt man auf den Stein einBlatt geglättetes Halbseidenpapier, über dieses ein Blatt vulcanisirten Kautschuk,endlich mehrere Lagen Flanell, schiebt den Wagen unter die Platte einer Schrau-benpresse, schraubt diese kräftig an, öffnet dann wieder, und hebt das Papier, andem der Deckgrund nun adhärirt, langsam und vorsichtig von dem Steine ab.Wird alsdann das in dieser Weise bedruckte Papier mit salzsäurehaltigem Wasserangefeuchtet, mit der bedruckten Seite auf das zu ornamentirende Glas gelegt,und hier schwach angedrückt, so haftet der Asphaltgrund in Folge seiner großenKlebrigkeit am Glase fest an, und läßt sich, bei einiger Vorsicht, das Papier nun-mehr ohne Schwierigkeit von ihm abziehen.
Nahezu gleichzeitig mit der Publication des Keßler'sehen Druck- undUebertragungsverfahreus wurde von Guynon in Metz ein ihm für Frankreichpatentirtes anderes beschrieben H, das einen vorherigen Druck der Dessinuegativenaus Papier nicht beansprucht, dafür aber auch keine so scharfe Zeichnung herzustel-len gestattet, und sich außerdem zur Oruamentirung von Hohlglas wenig eignet.Um auf den vor Aetzung zu bewahrenden Theilen der Glasoberfläche eine schützendeHarzschicht herzustellen, befeuchtet Guynon dieselbe zunächst mit Terpentinöl,bedeckt die anzuätzenden Partien mit hierzu gefertigten Metallschablonen (je nachdem verlangten Muster auch wohl nur mit durchbrochenen Geweben wie Tüll,Spitzen u. d. m.) und bringt nun sein Glas in einen geschlossenen Kasten, mithalbcylindrischem Boden, in dem mittelst einer Flügelwelle vom Boden aus feinesPulver von mit dem sechsten Theile seines Gewichts an Mastix versetztem Asphaltaufgewirbelt wird, und sich an den freiliegenden Stellen der feuchten Glasober-fläche festsetzt. Wird, nachdem die Einstäubung eine genügende Stärke erreichthat, die Schablone, oder das Gewebe, entfernt, und das Glas gelinde erwärmt,so schmilzt das Gemenge von Harz und Terpentin auf den nicht gedeckt gewe-senen Stellen, und liefert hier einen dichten, gegen die Aetznng schützenden,Ueberzug.
Wird nur eine ganz leichte Aetznng des Glases verlangt, so genügt fürHerstellung einer solchen gelegentlich auch schon ein einfaches Verfahren, das sichI. Napier für England Patentiren ließ 2 ). Eine mittelst gewöhnlicher Drucker-schwärze auf dünnem Papier (wohl eingeleimtem) hergestellte Zeichnung klebtNapier mit Stärkekleister sorgfältig, mit Vermeidung jeden Luftbläschens, aufdas Glas auf, läßt sie völlig antrocknen, und übergießt das Papier dann mitwässeriger Flußsäure, deren specif. Gewicht " 1'140. Die Säure durchdringtdas Papier zunächst nur an den unbedruckten Stellen, und kommt daher auch nuran diesen zur Einwirkung auf das Glas. Nach circa 3 Minuten werden dannPapier und Säure mit Wasser weggewaschen, und soll alsdann die Zeichnungscharf und blank auf mattem Grunde hervortreten.
Das Ansehen mit Flußsäure geätzten Glases ist, je nach den während des
Polytechn. Eentralblatt 1860, S. 71, nach Lallst, cks In sooists cl'sasoaraZs-rusut 1859, x. 524. — ^ Wagner's Jahresbericht 6 (1860), 295, nach Ksx. okpatsut - inveat. 1860, lauv. u. 45.