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Kunstglasfabrikation außerhalb Venedigs.
land herüber gezogenen venetianischen Glasmachern docmncntirt wird, gelegentlichauch ausgeführt wurdet; finden wir fchon zu Anfang des 16. Jahrhundertsaußerhalb Landes, fo z.B. nachweislich in Flandern, Muranescn, die unter demSchutze Karl's V. nach Antwerpen berufen, damit beschäftigt, ihre Kunst auszu-üben, und besitzen schon aus dem Jahre 1599 eine von der Jnfantin ClaraEugenia ertheilte Privilegiumserneuerung, die Philippe de Gridolphi,als zweitem Gatten der Wittwe des Ambrosia de Mongarda, der ein dahinlautendes Patent von Philipp II. erhalten, das ausschließliche Recht einräumt,in seiner „tonrnaiss anx voirss st oristallins äs 1a vllls ä'Jmvsrs", wo ermehrere (venetianische) Arbeiter damit beschäftigt „äs tsirs voirs äs oristat ä.Ia tosobon äs Vsniss" venetianischesGlas zu machen, und den Import imitir-ten solchen Glases nach Flandern (der Import echter Producte Muranos bliebgestattet) aufs Strengste untersagt 2 ).
Ziemlich gleichzeitig tritt der Versuch, die venetianische Glasindustrie imeigenen Lande heimisch zu machen, in Frankreich hervor, wo unter der RegierungHeinrich'sll. ('s 1559) unter der Leitung Theseo Mutio's die erste Hütte fürderartige Producte in Hohlglas zu St. Germain en Lahe angelegt wurde, einVersuch, dessen Erfolg indeß fraglich, da ihn Heinrich IV. wiederholte und zu-nächst eineFabrik zu Paris anlegte, dann 1598 Vincent Bussen und ThomasBartholus, aus Mantua gebürtigen Glasmachern, gestattete, zu Roucn einederartige Anstalt zu begründen, „xonr ^ täbrignsr vsrrs äs sristail, vsrrssäorsö, ssrnanlx sl anttrss ouvraiZss czni ss tont ü Vsniss st anltrss tisnxst sstranAsrZ ^)?8
Wie nun die von den aufgeführten Etablissements beschäftigten Arbeiter,zuerst trotz der Drohungen des Gesetzes und der staatlichen Ueberwachnng, sich vonMurano zu entfernen gewußt, so scheinen sie auch auf den flämischen und franzö-sischen Anstalten nicht Stand gehalten zu haben. Da die Antwerpener Fabrikreussirte (um 1600 arbeitete Gridolphi mit 36 Arbeitern ausschließlich Luxus-glas, und zahlte für sein Privilegium jährlich 300 fl. an die Regirung), wurdenauch anderweitig ähnliche Anstalten begründet, und begreift sich's leicht, daß diesesich, um Arbeiter zu erlangen, nicht nach Venedig, sondern nach Flandern wandten.So beklagt sich bereits 1611 Gridolphi über die Concurrenz, die seiner Fabrika-tion in Cöln, LüttichundMazisrcs, die aus Antwerpen Arbeiter entführten undso gut arbeiteten, daß, was für ihn, den Bestimmungen seines Privilegs gemäß,von großer Wichtigkeit, selbst Fachleute nur schwer zu unterscheiden vermochten, obdie Producte venetianischen Ursprungs oder nicht, gemacht werde. Doch scheintdas Bestehen der letztgenannten Anstalten nur ein ephemeres gewesen zu sein, dennbald darauf vernehmen wir, daß sie ihren Betrieb, nachdem ihnen der Absatz ihrerWaare nach Flandern durch neue Regierungsmaßregeln unmöglich gemacht, ein-gestellt. Dagegen erwähnt dann Antoine Miotti, der 1623 um die Erlaubnißder Eröffnung einer zweiten niederländischen Hütte für venetianisches Glaszu Brüssel nachsucht, da es, wie das ihm ertheilte Privileg sagt, erforderlich sei,
Sauzay: Ebendas. nach Darus' Geschichte Venedigs. — 2 ) Abgedruckt beiHoudoy: Vsrrsriss L la katzvn äs Vsniss (karis, tlulirx 1873), x. 11. — I-sVaillant: Uss vsrrsriss äs 1a Uorrnanäis (Uousn, Uanstin 1373), x. 276.