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Tafelglas: Böhmische Fabrikationsweise.
bei diesen können die Kühlhäfen umgangen werden. Man bringt die Cylinder,sobald sie von der Pfeife abgelöst, in einen, auf dunkele Rothgluth erhitzten Kilhl-
Fig. 144.
ofcn, der, um ihrer mehr in geeigneter Weise aufnehmen zu können, ein eisernesSchaff enthält, erhitzt sie hier etwa 15 bis 20 Minuten hindurch, und stellt siedann erst zur Abkühlung an einem vor jedem Zuge geschützten Orte derHütte auf.
Das beschriebene primitive Streckverfahrcn war, abgesehen selbst von spätergelegentlich zu erwähnenden Uebelständen, die bis auf den heutigen Tag nicht alsgehoben bezeichnet werden können, nicht geeignet, den sich steigernden Anforderungenan das Fensterglas zu genügen, und tauchten daher, etwa von dem zweiten Viertelunseres Jahrhunderts ab, zahlreiche Verbesserungsvorschläge auf.
Wie schon erwähnt, wurde, um die untere Glasoberfläche gegen die unver-meidlichen Unebenheiten des Strecksteins zu schützen, sowie um das Verschrammendesselben beim Abschieben auf den Kühlstein zu vermeiden, besseres Tafelglas meistauf dem Lager gestreckt, und ging man für die höchsten Sorten des „Lagerglascs"sogar noch einen Schritt weiter, schob, damit auch auf dem Kühlsteine keine„Streckkritzen" entstehen könnten, sowie um den nicht unbedeutenden Tempe-raturunterschied der Unterlage zu vermeiden, mit der gestreckten Tafel auch dasLager in den Kühlraum hinüber, und wartete das Erstarren beider Platten inletzterem ab, bevor man eine neue Walze auf dem, wenn entleert, in den Streck-raum zurückgeschobenen Lager auszubreiten begann. Aber selbst abgesehen davon,daß bei solchem Verfahren viel Zeit verloren wurde, gelang es doch nicht, stetsebene Platten zu erhalten, da beim Hin- und Herschieben sowohl das Lager alsdie auf demselben ruhende Platte leicht wellig wurden; andererseits wurde dieOberfläche des Lagers durch eintretende Eutglasung bald rauh, und verdarb dannden Glanz und die Ebenheit der unteren Seite des aufliegenden Glases. DasVerdienst, solchem Uebelstande zuerst einigermaßen abgeholfen zu haben, gebührtKirn, dessen Ofeneinrichtnng in den Figuren 145 und 14H wiedergegeben ist.
Wie der früher beschriebene alte böhmischeStreckofen, dem derjenige Kirn's
I Journ. für prakt. Chemie 2, 189. Neuerdings als auf der Schmidtborn'schenHütte bei Saarbrücken in Funktion, beschrieben von H. Schwarz: Die Chemie undIndustrie unserer Zeit 1857.