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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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410
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410 Stürze und Glocken.

Messer nahezu dem kleinen der zu fertigenden Glocke gleich, auf, giebt dem weichenHohlkörper durch ein paar Schwenkungen eine zugespitzte, eiförmige Gestalt, wärmt m

ihn nochmals an, bringt ihn zwischen die Holzwände seiner Form, und treibt ihn W

hier, wo möglich ohne dann nochmals anzuwärmen, bis zu der verlangten Größe liö

auf. Die abgeflachte Blase wird, sobald sie die gewünschten Dimensionen erlangt, de

aus der Form gehoben; durch leichtes Einblascn von Luft werden die meist einwenig nach innen gekrümmt ausfallenden, flachen Wände derselben gerade gerichtet,und dann der Sturz mittelst eines Fadens heißen Glases von der an der Pfeifezurückbleibenden Haube abgesprengt.

Sollen Stürze mit vier ebenen Flächen geliefert werden, so ist das Herstellungs- A

verfahren ein ganz analoges, nur werden, an Stelle der eben beschriebenen For- in

men, den verlangten Größenvcrhältnissen angepaßte, dickwandige, hölzerne Kasten

ohne Boden angewandt, um in ihnen die Glocke aufzutreibcn. Die in einer oder

der anderen Weise hergestellten Stürze werden dann im Kühlofen gekühlt.

Selten nur erfolgt der Sprung beim Trennen des fertigerblasenen Sturzes ^

von seiner Haube so rein, genau auf verlangter Höhe und senkrecht auf der Achse, sp

daß nicht ein nachträgliches Corrigircn des unteren Randes der Glocke erforderlich di

wäre. Solches Nachschneiden geschah früher, und geschieht auch heute zum Theile ch

noch, mittelst eines außen über das Glas hingeführten Diamants und des Spreng-eisens oder der Sprengkohle, ein Verfahren, das indeß, selbst in geübter Hand,nie ganz sichere Resultate liefert, während eine bereits 1832 von Claudel zudiesem Zwecke empfohlene Vorrichtung diese Arbeit wesentlich erleichtert und dabeiso gut wie jedes Risico etwaigen Mißlingens beseitigt ^). Auf einem mit Maß-stab versehenen, verstellbaren Träger, der sich von innen gegen den Boden desHohlkörpers stützt, hängt Claudel den zu beschneidenden Sturz, in verlangterHöhe über einer ebenen Tafel, genau lothrecht auf, fixirt ihn in dieser Stellungdurch ein paar von außen gegen ihn angedrückte harte Lederpolstcr, und führt nunden Schnitt, im Inneren des Cylinders, mit seinem, schon bei dem auf Chance'sWerken üblichen Beschneiden der Walzen erwähnten, auf einem kleinen drcirolligenMetallwagen montirten, horizontal gerichteten Diamant, in vorher bestimmter Höhevon innen rund um die Wand des Sturzes herum.

Nach der eingehenden Besprechung, die die gefärbten Gläser bereits a. a. O.gefunden, dürfte hier auf das farbige Tafelglas im Speciellen nicht mehr nähereinzugehen sein, um so mehr, als bei der früheren Gelegenheit auch seiner bereitsErwähnung geschehen, und andererseits dasselbe meist Uberfangenes Glas, fürwelches, mag es nun Hohl- oder Tafelglas sein, das in den Rahmen vorliegendenWerkes Hineingehörige schon früher besprochen worden ist.

Auch die Decoration des Glases durch ornamentale Malerei, durch Matt-schliff, für den sich, hier namentlich, Tilgham's Sandstrahlproceß vorzüglich

i) Ausführlich beschrieben und abgebildet bei Bontemps: 6uiäs äu vsrrisr,x. 330 sg<g.