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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Fabrikation geblasener Spiegel.

erste kleine Höhlung in den Glaskörper geblasen wurde, erforderte große Geschick-lichkcit und Aufmerksamkeit, da die kleine Höhlung im Innern wohl centrirt feinmußte, damit die Blase später gleichmäßige Wandstärke behalte, und, schon vonmomentan im Ofen herrschender rauchiger Flamme abgesetzter Ruß, sowie demheißen Glase sich anheftende Flugasche, oder von der Marbelplatte aufgenommeneStaubpartikel genügten, um, zwischen den einzelnen Posten eingeschlossen bleibend,das werthvolle Arbeitsstück zu verderben. Endlich war die erforderliche MasseGlas aufgenommen, zu ihrem größten Theil vor die Pfeife gebracht, und wurdeihr nun zunächst, durch weiteres Marbeln, die in Fig. 178 wiedergegebene abge-stumpft conischc Gestalt gegeben, die bei wiederholtem Anwärmen und Aufblasenallmälig in die der dickwandigen Blase, Fig. 179, übergeführt und in gewöhn-

Fig. 178. Fig. 179. Fig. 180. Fig. 181.

licher Weise, einige Centimcter vor der Pfeife mit einer scharfen Einschnürungversehen wurde.

Aus den Händen des Anfängers, der hiermit seinen Theil der Ausarbeitungvollendet, ging, in diesen! Stadium der Entwickelung, das Arbeitsstück in diejenigendesSchwänkers" oder.Kanzelstcigers" über. DiePfeife wurde, unterhalbeines in der Nähe ihres Knopfes um sie herum geschweißten Ringes, an einer,über ein paar am Gebälk des Dachstuhles befestigte Rollen laufenden Kette befe-stigt, der Schwänker, der ein festes, an seiner Vorderseite mit einer Brüstung ver-sehenes Gerüst, von entsprechender Höhe, die Kanzel, bestiegen, die nahe vor denArbeitsöffnungen des Ofens ihren'Platz hatte, und das Schwänkgerüst der Tafel-glashütten vertrat, ergriff, nachdem die Pfeife an der Kette aufgezogen, ihr oberesEnde, und dirigirte mit diesem die Pendelschwingungen, durch die die Blase zunächstin die dickbodige cylindrische Form, Fig. 180, dann durch weiteres Schwänkenund Einblasen von Luft, in diejenige Fig. 181 übergeführt wurde, in welch letztererForm der Glasüberschuß am Boden zu weiterer Entwickelung der cylindrischenWand aufgearbeitet ist.