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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Handschliff und Politur für Spiegelglas.

Die mechanische Bearbeitung, der das gewalzte Rohglas, behufs seinerVerwandlung in Spiegel und Schaufenster, unterworfen wird, zerfällt und zerfiel,soweit wir hierüber orientirt, bereits in alter Zeit, in mehrere, gesonderte Opera-tionen (sMi'sts äss Alaoss) und geschah, wurde auch hier und dort bereits dieeine oder die andere mittelst durch Wasser oder Dampf in Bewegung gesetzterMaschinen bewirkt, im Allgemeinen noch am Ende des vorigen Jahrhunderts, seitwelcher Zeit genauere Angaben vorliegen, durch Handarbeit; als solche beschreibtsie unter Anderen um diese Zeit Allut in der Dnv^vlopsäis xar orärs äsinatisrss. Als aufeinanderfolgende Phasen dieses Theiles der Bearbeitung desGlases unterscheidet man noch heute, wie damals: das Rauhschleifen (äsZros-8ir, rultlnK, tirst ZrinäinA), das Klarschleifen oder Douciren (äouoir, 86sonäArinälnZ), das Feindouciren (savonnuKs, smootlrinZ), endlich das PolirenGolir, PsIisliinA) der Tafel.

Das Rauhschleifen, dessen Zweck ein Ebenen der rohen Glasplatte durchWegschleifen ihrer Erhabenheiten, wurde, um die angegebene Zeit ausgeführt,indem Glas auf Glas mit zwischen gebrachtem Sand und Wasser nach allenRichtungen hin mit der Hand hin- und hergeschoben wurde. Um diese Operationauszuführen, wurde zunächst eine größere Glastafcl auf die Schleifbank (bansäs moilon), einen großen ebenen Stein, der auf gemauerter Unterlage ruhte, undauf allen Seiten von einer Wasscrrinne umgeben war, mittelst Gyps befestigt,aufgcgypst" (sssUsr). Auf die ebene Oberfläche des erwähnten Steins brachteman zu diesem Zwecke eine Lage gebrannten und gesiebten Gypses, rührte ihnmit Wasser zu einem Brei von mittlerer Consistenz an, breitete diesen möglichstgleichmäßig über die Oberfläche des Steins aus, stellte die aufzugypscnde Glas-tafel mit der einen Kante auf den Rand des Steins, ließ sie vorsichtig auf denweichen Gypsbrei nieder, und sorgte durch leichtes Hin- und Herschicken undgleichmäßigen auf die Tafel ausgeübten Druck dafür, daß sie auf der ganzen unterenFläche mit dem Gypsbrei in Berührung kam. Die Kanten der Tafel wurdendann noch durch einen um sie herumgelegten Gypsrand befestigt.

Die in dieser Weise aufgcgypste größere Tafel bildete dann das Bodenglas(lsvss), auf dem eine, in ähnlicher Weise auf den Bode» eines stachen, starken,Hölzernen Kastens, des mit Handgriffen versehenen Schleif- oder Reibkastens(inolstts), aufgcgypste kleinere, das Oberglas (ässsus), als beweglicher Schleif-apparat hin- und hergeschoben wurde. Ein, oder bei größerem Obcrglase undSchleifkasten, zwei Arbeiter ergriffen dann die Handgriffe des letzteren, brachteneine Portion Wasser auf das Bodenglas, warfen eine Kelle grob abgesiebten scharf-kantigen Sandes auf, und begannen nun, das Oberglas nach allen Richtungenhin über seine Unterlage hin- und herzuführen. Rasch fing hierbei der Sand, zwi-schen beide Gläser gelangend, an, feine schleifende Wirkung auf beide auszuüben,die Oberflächen beider ebneten sich allmälig, indem die höchsten Partien zunächstam stärksten angegriffen wurden, und waren diese endlich verschwunden, was beidem kleinen Oberglase rascher geschah als bei der großen Bodcntafel, und daher,zum Abschleifen einer der letzteren, mehrere der ersteren nach einander erforderlichwerden ließ, so wechselte man den Schleifkasten und ersetzte die bisher kleinen,