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Polirmaschinen für Spiegelglas.
Dem Schleifapparat der oben beschriebenen Schleifmaschinen der „SchlcsischenSpiegelmanufactur" in Bezug auf die ihm ertheilte Kurbelbewcgung ganz ähnlichconstruirt, ist auch der Reiberapparat der dort gebräuchlichen Polirmaschinen, andenen die Einrichtung getroffen, daß der mobile Ausspanntisch des Schlcisapparatesauch als Glasträger der Polirmaschine dient. Sobald nämlich die aufgcgypsteGlastafel von einer Seite fertig geschliffen, wird der Ausspanntisch mit ihr unterdem Obcrtische weggezogen, die geschliffene Fläche mit der Hand doucirt und derTifchwagcn dann in die Polirmaschine eingefahren, in der er wie der, unter denKreisbahnen beschreibenden Reibern, sich hin- und herbewegt, bis das Glas aufeiner Seite die erforderliche Politur angenommen. Erst wenn solches geschehen,und der Ausspanntisch die Maschine wieder verlassen, wird das nunmehr auf dereinen Seite fertig bearbeitete Glas umgewandt, und geht unter den Obertisch derSchleifmaschine zurück, aus der es dann endlich wieder in die Polirmaschine ge-langt.
Auch bei den Polirmaschinen sind gelegentlich Experimente mit rotirendenTrägern oder Tischen für das Glas gemacht worden, eine derartige Maschine ließsich z. B. W. E. Newton 1856 patentiren und wurde eine ähnlich construirtebald darauf, als in Belgien mit Erfolg angewandt, beschrieben 2 ).
Da das wiederholte Aufgypsen der Glastafeln beschwerlich, zeitraubend und,wird beim Abnehmen nicht große Vorsicht angewandt, leicht zum Brechen derScheibe, noch im letzten Stadium ihrer Bearbeitung, Veranlassung giebt, hat schon1843 Hartley, auf der Wcarglashütte zu Sunderland, den Vorschlag gemacht,das zu polirendc Glas nur auf eine über den ebenen Polirtisch ausgespanntedünneKautschukplatte niederzulegen, und es durch vor seine Ränder geschla-gene Leisten gegen Verschiebung zu sichern b). Trotz seiner sehr bestimmt gefaßtenAngabe, daß solches Auflegen vollkommen genüge, um das Glas während desPolirens festzuhalten, und in geeigneter Weise zu stützen, scheint indeß sein Vor-schlag bisher, wenigstens auf große Scheiben liefernden Anstalten, keinen Anklanggefunden zu haben, und scheint es auch sehr zweifelhaft, ob er hier mit Erfolgdurchführbar sein dürfte.
Fertig polirt unterliegt das Glas, da jetzt erst weniger in die Augen fallendeFehler, wie z. B. Rampen und Schlieren erkennbar werden, nochmals einer genauenBesichtigung, wird hierbei nach Sorten qualifieirt, und, wenn erforderlich, geschnit-ten. Bei letzterer Operation wird es auf einen ebenen Holztisch, dessen Oberflächedas landesübliche Maß eingeritzt deutlich zeigt, niedergelegt, und werden die Schnittelängs langer Lineale, kommen gekrümmte Linien vor, nach auf das Glas gelegtenstarken Chablonen geführt. Bei stark krummliniger Begrenzung der Flächen wirdhierbei wohl auch gelegentlich noch ein „Kröseln" (gremller), ein Wcgbrechenkleiner Theile von den Rändern mit dem hakenförmigen Kröscleisen (Zresoir)erforderlich. Eine, namentlich wo es sich um genaues Zuschneiden großer Tafelnhandelt, recht praktische Schneidetischeinrichtung, ließ sich 1858 Ferrand in
i) Dingler's Journal 145 (1857), 106, nach Ronäon ckonrnal ok arts 1857,Februar. — 2 ) Dingler's Journal 147 (1853), 15. — ch Dingler's Journal !> 3 ,(1844) 137, nach Report, ok Rat. luv. 1843.