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Die Alemannen im Frankenreich.
Die Alemannen im Frankenreich.
Die fortgesetzten inneren Wirren, welche zur Zeit derMerowinger das Frankenreich zerrütteten, sicherten denAußenländern des Reiches — die Alemannen gehörten zumReichsteil Austrasien mit der Hauptstadt Metz — einegewisse Bewegungsfreiheit, welche dem alemannischen Unab-hängigkeitsdrang sehr zustatten kam.
So konnte nicht nur die alte Einrichtung des Volks-herzogtums fortbestehen, sondern auch die oben gekenn-zeichnete innere Organisation und die gesamte kriegerisch-bäuerliche Kultur der Alemannen, über die uns zahlreicheGrabfunde belehren. Auch in der Übung ihrer alther-gebrachten Rechtsgewohnheiten hat man sie ungehindert be-7 . lassen. Diese wurden sogar am Anfang des 7. Jahrhundertsals besonderes „Gesetz der Alemannen" auf Weisungder Frankenkönige, hauptsächlich Dagoberts (628—638),638 aufgezeichnet.
Beidem zunehmendenVerfall der merowingischcnKönigs-gewalt gedieh das alemannische Herzogtum diesseits desRheins zu immer größerer Selbständigkeit, die seit dem^-Anfang des 8. Jahrhunderts, seit dem Herzog GotefridJh. auch den tatkräftigen Hausmeiern Pipin von Heristalund Karl Martell derart zu schaffen machte, daß diesesich des Widerstands der Herzoge, unter denen besondersLantfrid I. (gest. 730) und Theobald (gest. 746) hervor-ragten, kaum zu erwehren vermochten. Nicht minder hart-näckig kämpfte Lantfrid II. gegen Pipin den Kleinen,der nach dessen Niederwerfung das alemannische Volks-herzogtum beseitigte unddieOrganisation des frän-748 kischen Reiches auch hier durchführte (748). Die Ver-waltung lag nunmehr den königlichen Kammerboten, später