Das erneuerte Stammesherzogtum rc. 2ö
wenn sich zwischen die königliche Gewalt und die geistlichenWürdenträger, die meist dem Monarchen unmittelbar nahe-standen, eine andere Macht einschob, eine Macht, die um sogefährlicher werden mußte, als sie ihre Daseinsberechtigungund ihre Mittel direkt aus dem Willen und der Kraft desVolkes herleitete. So innren in Franken Erzbischof Hattovon Mainz, in Schwaben Bischof Salomo III. von ^Konstanz 890 — 920, beide eng befreundet, gleich begabt bisund hochstreüend, die geschworenen Feinde jeglicher Stammes-sonderbildung, hatten sie doch in den TagenLudwigs des Kindeseben noch auf der Höhe ihrer Macht gestanden. Wir findendann die Bischöfe überall da, wo es galt, die Regungen poli-tischer Selbständigkeit zu unterdrücken. Hatto hat bei derHinrichtung des fränkischen Markgrafen Adalbert dieHand im Spiele, ebenso wie Salomo bei dem Verhängnisdes Grafen Burkard und der Kammerboten Erchanger undBertold in Alemannien .
Anders wurde es unter König Konrads NachfolgerHeinrich I. , der durch weise Mäßigung das königliche An- ^sehen und die Reichseinheit zu behaupten vermochte, ohne szadarum die gesunde Volkskraft ersticken zu wollen, die imStreben nach Selbständigkeit der Stämme sich äußerte, warer ja doch selbst im Sachsenland ein praktischer Vertreterdieses Grundsatzes.
In Franken regierte im Einvernehmen mit dem Königzunächst König Konrads Bruder Eberhard, in SchwabenBurkard, der durch Vermählung seiner Tochter Berthamit König Rudolf von Burgund — aus dieser Ehe stammtedie spätere Kaiserin Adelheid, Ottos d. Gr. Gemahlin —den Glanz seines Hauses erhöhte, wie er denn auch involler Selbstherrlichkeit über den südwestlichen Teil seinesAlemannenlandes zwischen Aar und Reuß zugunstenBurgunds verfügte. Burkards Nachfolger wurde ein oft-