Vorwort
Im vorigen Jahrhundert hatte eine ganze Reihe schweizerischerSchriftsteller einen weitverbreiteten Namen und ein großes Ansehen.Als aber die neuere Literaturgeschichte eine Sichtung begann, so mußtees Befremden erregen, welch eine beträchtliche Zahl einst berühmterSchriften jener Schweizer durch ihre harte oder erkünstelte Sprache,durch die Bedeutungslosigkeit ihres Inhaltes oder die Flüchtigkeit ihrerAnlage und Durchführung, durch sonderbare Ansichten oder engen Ge-sichtskreis, voraus aber durch Mangel an Geschmack und Schönheits-gefühl, so wie durch Mangel an künstlerischer Vollendung in einemungünstigen Verhältnisse zu den klassischen Erzeugnissen der deutschenSchriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts stand. Dazu kam, daßdas günstige Vorurtheil, dessen sich die Schweiz mit ihren Zuständenund Einrichtungen im vorigen Jahrhundert zu erfreuen hatte, inder neuern Zeit bei den Konservativen in Mißtrauen und Ab-neigung, bei den Liberalen in Geringschätzung der ihren Idealenwenig entsprechenden Institutionen und Lebensverhältnisse umschlug: