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Die Schweizerische Literatur des achtzehnten Jahrhunderts / / von J.C. Mörikofer
Entstehung
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I. Hallcr

1. Halters Studienzeit.

Hallcr ist cin Geist, der in ciner Ursprünglichkcit und Selbständig-keit dasteht, eine so umfassende und rein menschliche Persönlichkeit, daßdie äußern Verhältnisse nur wenig Anspruch auf den Reichthum undden Umfang seiner Bildung haben. Gleichwohl stellt sich in seinemGrundwesen der ganz entschiedene Charakter Berns hervor. JeneRuhe und einfache Würde, jener Hochsinn und jener stets auf dasLeben gerichtete Ernst, welche in Hallcr mit besonderer Stärke erscheinen,sind auch hervorstechende Eigenschaften seiner Vaterstadt: um so wenigerdarf man sich daher wundern, wenn er, bei dieser innern Gemeinschaft,derselben eine aufopfernde Anhänglichkeit erwies. Schon sehr früheentwickelte sich in Hakler die Richtung auf eine allumfassende Gclehrsam-,kcit, wobei ihn ein außerordentliches Gedächtniß, cin wirklich unver-gleichlicher Fleiß und eine höchst elastische Auffassungsgabe gleichmäßigunterstützten: so daß er im neunten Jahre das neue Testament griechischlas, und Homer im zwölften sein Licblingsbuch war. Allein zugleichoffenbarte sich auch sein humaner Sinn, dein zufolge er nicht nur Kennt-nisse sammeln, sondern sich innerlich erheben und belebend auf seineUmgebung wirken wollte: daher er schon im vierten Jahre den Bedientenim Vatcrhause biblische Geschichte vortrug und im zehnten schon etwazweitausend Biographien zusammengetragen hatte.

Obgleich Hallcr seinen Vater in seinem zwölften Jahre verlor,so veranlaßte ihn doch dessen Neigung zur Dichtkunst sich selbst frühe inVersen zu versuchen. Wenn Haklers erstes Gedicht eine lateinischeSatyre auf seinen Lehrer war, so entschuldige man den Muthwillendes Knaben mit den Sonderbarkeiten eines zwar rechtschaffenen, aberwegen seiner Mißgriffe entlassenen Pfarrers. Vom zwölften Jahre

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