XIII. Martin Usteri
In Joh. Martin Usteri begegnet uns eine ganz neue Indi-vidualität der Bodmer'schen Schule. Von dieser hat er das Malerischein der Poesie, die Anhänglichkeit an das Heimatliche, die Vorliebe fürdas Alterthümliche in Sprache und Sitte und das eigenthümliche Ge-schick, daß er, wie Ludwig Meyer von Knonau und Salomon Geßner,zugleich Maler und Dichter ist. Allein jener große Blick und jenerweite Kreis der Bestrebungen der Schüler Bodmers, welcher die ganzeMenschheit umfaßte, für die Erziehung und Hebung des Volkes glühteund begeistert in der durch kräftiges Eingreifen aufzubauenden Zukunftlebte, — zieht sich bei Usteri auf das vergnügliche Beschauen der Ver-gangenheit und den heitern Genuß der Gegenwart zusammen. Seinegemächliche Beschaulichkeit und fröhliche Sorglosigkeit ließ ihn in philo-sophischer Ruhe auf das Getriebe der Welt Hinausblicken, und günstigeäußere Verhältnisse verschafften ihm die Freiheit, seine Aufgabe undseine Thätigkeit nach Gutdünken zu wählen. Seines Vaters Hauswar ein angesehenes Kauftnannshaus, wo mit einem ausgedehntenGeschäftsbetrieb solider Lurus und namentlich Kunstlicbhabcrei sichverband. Der im Jahre 1763 geborene Martin wurde nach derschöngcistischen Liberalität und der aristokratischen Weichlichkeit jenerZeit so gehalten und erzogen, daß man keine besondere Anstrengungvon ihm forderte und ihn den sinnigen Neigungen seines stillen Ge-müthes und seines unermüdlich thätigen Geistes überließ. SeineBestimmung zum Kaufmann machte man ihm leicht und ließ ihmnicht nur volle Zeit für seine Kunstliebhabereien, sondern es wurde ihmin dieser Richtung eine sorgfältige Anleitung zu Theil und namentlichförderte und ermunterte Salomon Geßner das vielversprechende Ta-lent. So machte sich Martin U st e r i frühe in befreundeten Kreisen