VI. Ludwig Meyer von Kimm».
Unter den von Bodmer zum Dichten Angeregten haben wir I o h.Rudolf Wertmüller zu nennen, welchen wir schon als einen derVerehrer Klopstocks kennen gelernt. Derselbe ließ sich zwar nur einmalvernehmen, nämlich in einem ansprechenden Gedichte über die vierStufen des menschlichen Alters (1754), das Brcitingcr zugleich miteiner lateinischen Uebersetzung, oder vielmehr neuen Bearbeitung vomBibliothekar der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand, Oltrocci,herausgab. Daß dieser Versuch Anerkennung fand, beweist Zachariä'SNachahmung in dessen Gedichte „Die vier Stufen des weiblichen Alters."— Uebcrhaupt gab es wenige jüngere gebildete Zürcher, die, von Bod-mer unaufhörlich ermuntert, sich nicht auf irgend eine Weise poetischversucht hätten, und solche Versuche galten damals nicht weniger fürBeiträge zur Volkskultur, als gegenwärtig die allgemeine Bethätigungfür die Publicistik. Allein es war ein ganz besonderes Glück, daßBodmerö Ermunterungen ein so außerordentlich günstiges Ergebnißhatten: wir sehen daraus, welche frische Kraft in diesem neuen, geruh-ten Boden lag. In welch genauer Beziehung aber die schönen GeisterZürichs mit Bodmer standen, und wie sehr sie Schüler Bodmcrs waren,geht daraus hervor, daß mehrere der bedeutendsten jenen Grundsatz desMeisters, daß die Poesie Malerei sein müsse und daß,beide Künste miteinander in der engsten Verbindung stehen, in buchstäbliche Ausführungbrachten und daher Dichter und Maler zugleich waren. Demnachpflegten Ludwig Meyer von Knonau, Salomon Gcßner, Paulus Usteribeide Künste zugleich und brachten auch ihre Leistungen in beiden Kün-sten mit einander in Verbindung, indem sie ihre Poesien durch Bilderillustrierten. Der früheste von diesen ist Ludwig MeyervonKno-n a u. Schon hatten Hagedorn und Geliert die Fabel zur Lieblings-pocsic des deutschen Volkes gemacht, und Bodmer und Brcitingcr denWerth dieser Dichtungsart hervorgehoben, als Meyer derselben seinen