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Die Schweizerische Literatur des achtzehnten Jahrhunderts / / von J.C. Mörikofer
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VII. Lalomon Geßner

1. Dichter und Limitier Ungleich.

Wmn Meyer von Knonau gegenwärtig verschollen ist, so solltedagegen ein anderer Dichter aus BodmerS Umgebung hervorgehen, dernoch immer in weiten Kreisen gekannt und geliebt ist und mit dem sichdie Literatur stctssort beschäftigt. Salomon Geßner (geb. 1730)nämlich hatte das seltene Glück, einen doppelten Kranz zu erringen,und als Dichter und Künstler zugleich gefeiert zu sein. Geßner freilichgehört im Vergleich mit den bisherigen Zürcher» nur in fernerm Sinneder Schule Bodmers an, indem er sich nie zum Kreise seiner Vertrautenhielt, sondern mehr nur im Allgemeinen zu den von Zürich ausgegange-nen kritischen Regeln sich bekannte. Auch soll Bodmer dem von seinenLehrern lange für blöde gehaltenen Knaben nach einer erbetenen Prüfungdie geistigen Anlagen ebenfalls abgesprochen haben. Geßner zeichnetesich nämlich früh unter seinen Kameraden durch allerlei neckische Possenund durch seine Neigung zum Bilden von Wachsfigürchcn aus: alleinihm fehlte Trieb und Kraft.für eine stete, gründlich durchgeführte Arbeit.Erst eine schöne ländliche Zurückgczogenheit und der anregende Einflußeines der jünger» Freunde Bodmers, welcher den jungen Geßner mitden deutschen Dichtern bekannt machte, weckte dessen schlummerndeKräfte. Namentlich begeisterte ihn Brockes für die malerische Natur-beschreibung und veranlaßte ihn zu ähnlichen Versuchen, und Robinsonerfüllte ihn mit den Bildern einer kunstlosen Naturwclt. Es ist in-dessen merkwürdig, daß seine ältesten poetischen-Versuche mehr muth-williger und satyrischcr Art sind, ganz gemäß der lebhaften, fröhlichen,neckischen Weise, welche Geßncrn eigen war. Denn derselbe besaß eingroßes komisches Talent, so daß der Jüngling als Erzähler des Eulen-