Halters religiöse Schriften.
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Zum Schlüsse über Haltern, als religiösen Volksschriftstcller, dürfenwir der Fragmente aus seinem geheimen „Tage buche" nicht vergessen,welche von 1736 bis 47, und von 1772 bis wenige Tage vor seinemEnde nach seinem Tode auszugsweise herausgegeben worden. DiesesTagebuch ist die treuste Bestätigung dessen, was Halter öffentlich bekannt,und das vollständigste Zeugniß für eine in seinem ganzen Leben sich gleich-bleibende Gesinnung. Man hat seine immer wiederkehrenden Selbst-anklagen und seine Zweifel an seiner Begnadigung einer hypochondrischenAcngstlichkeit und einer kleinlichen Todesfurcht bcimcsscn wollen. Alleines liegt dieser demüthigen Sclbstprüsung zunächst das reine Gefühl derhohen Würde und Bestimmung zum Grunde, wozu der Mensch vonGott auscrschcn ist; und in dem reuevollen Bekenntniß seiner Fehleroffenbart sich das Sehnen und Ringen nach höherer Vervollkommnung.Auch wird niemand diesen Geständnissen die tiefe Wahrheit und Redlich-keit absprechen können, wenn Haller über die Anfechtungen des Welt-sinnes, der Lieblosigkeit, der Ehrsucht trauert. Doch eben in den letztenlcidenvoUcn Jahren Haklers, da nach seinem eigenen Ausdrucke „dieSeele mit der traurigen Empfindung des Vcrwesens ihres Körpers be-schäftigt war", tritt uns aus seinem Tagebuchc bisweilen die Macht desim Glauben ruhenden Friedens hervor, indem er sich z. B. über die Ver-eitelung seiner letzten Hoffnung aus „weltlicheGröße" beruhigt, oder dieHcilsamkcit seiner Leiden erkennt. In der letzten Stelle des Tagebuches,die seinen Abschied von der Welt ausspricht, nachdem das Urtheil derAerzte ihm den nahen Tod angekündigt, erwartet er mit gefaßter Er-gebung „den fürchterlich feierlichen Augenblick." Es mag hier nichtunerwähnt bleiben, daß man auch noch in jüngster Zeit zur Ehre derreligiösen Gesinnung Haklers seine letzten Aeußerungen in Abrede stellenzu sollen meinte. Es wird nämlich erzählt, er habe bis aus den letztenAugenblick den Schlag seines Pulses mit den Worten beobachtet: il bat,il bat, il lmt — und endlich ausgerufen: plus! den Augenblick an-deutend , wo derselbe stille stand. Allein wie einfach und natürlich istes, daß der bis an den Rand des Grabes thätige Naturforscher die Auf-gabe seines Lebens bis zum letzten Augenblick und in der Beobachtungseiner selbst verfolgte; vielmehr kann man in dieser Aufmerksamkeitaus die Lösung des letzten Geheimnisses dieses Lebens einen Beweis derGelassenheit des Sterbenden nicht verkennen.