Zehntes Kapitel.
Die Overmeer- und die Untcrmeer-Tanne.
1. Die ersten Wurzeln des Apenningebirges erheben sich vondem tyrrhenischen Meere zwischen den Alpen und dem äußersten Ge-biet von Etrurien. Der Rücken dieses Gebirges aber reicht, sich her-umziehend und in der Mitte seiner Krümmung fast die Küsten desadriatischen Meeres berührend, auf Umwegen bis an die Meerenge(von Sicilien). Daher ist die diesseitige Krümmung, welche gegendas Gebiet von Etrurien und Campanien abdacht, von sonniger Be-schaffenheit, denn sie ist nach dem Lauf der Sonne einem immerwäh-renden Sonnenbrand ausgesetzt, die jenseitige aber, welche sich gegendas obere Meer neigt, wird, als der nördlichen Himmelsgegend zu-gewendet, immerwährend in Schatten und Dunkelheit gehalten.Daher gedeihen die Bäume, welche auf dieser Seite wachsen, durchden feuchten Einfluß genährt, nicht blos selbst zu ungeheurer Größe,sondern es schwellen auch ihre Adern, durch eine Menge von Feuchtig-keit angefüllt, an und werden vom Ueberfluß an Flüssigkeit gesättigt.Wenn sie aber, gefällt und behauen, ihre Lebenskraft verloren haben,werden sie dadurch, daß die Steifheit der Adern fortbesteht, wegenihrer Porosität, leer und schwindend und können deshalb bei Bautenkeine Dauerhaftigkeit haben. 2. Die aber, welche in Gegenden, diedem Laufe der Sonne zugewandt sind, wachsen, werden, da sie inden Zwischenräumen der Adern nicht porös sind, durch die Dürreausgesogen, fest, weil die Sonne nicht blos aus der Erde, sondernauch aus den Bäumen die Feuchtigkeit herauszieht. Und so sind siein sonnigen Gegenden durch die dichte Häufigkeit der Adern fest, in-dem sie nicht in Folge der Feuchtigkeit porös sind, und wenn diese alsBauholz behauen werden, leisten sie bis zu hohem Alter sehr nützlicheDienste. Deshalb sind die Untermeertannen, weil sie aus sonnigenGegenden beschafft werden, besser als die Obermeertannen, welcheaus schattigen Gegenden herbeigeführt werden.
3. Soweit es mir selbst bewußt ist, habe ich in Betreff derBaumaterialien auseinandergesetzt, welche nöthig sind zur Aussüh-