Buch 
Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
Entstehung
JPEG-Download
 

Sechstes Such.

Vorwort.

1. Als der sokratische Philosoph Aristippos '), bei einemSchiffbruche an die rhodische Küste geworfen, dort geometrische Figu-ren hingezeichnet bemerkte, soll er seinen Gefährten zugerufen haben:Laßt uns gutes Muthes sein, denn ich sehe die Spuren von Men-schen! und sogleich ging er aus die Stadt Rhodos zu und gelangtegeraden Wegs in das Gymnasium, und als er dort über Philosophiedisputirte, wurde er so mit Gaben beschenkt, daß er nicht blos sichmit dem Nöthigen versehen, sondern auch denjenigen, welche bei ihmwaren, Kleidung und das zum Lebensunterhalt Nöthige verschaffenkonnte. Als aber seine Gefährten in die Heimat zurückkehren woll-ten und ihn fragten, was er nach Hause berichtet haben wolle, datrug er ihnen aus, Folgendes zu berichten, daß man den Kindernsolches Besitzthum und ein solches Reisegeld beschaffen solle, welchesauch bei einem Schiffbruche zugleich mit ihnen an's Land schwämme.

2. Das nämlich ist der beste Hort des Lebens, welchem wederein jäher Sturm des Schicksals, noch ein Umsturz staatlicher Ver-hältnisse, noch die Verwüstung des Krieges Schaden zufügen kann.Auch Theophrastos 2) spricht sich, indem er jenen Denkspruch, daß

*) Aus Cyrene, Schüler des Svkrates und Stifter der cyrenäischen Sekte,lebte um Ol. 100. Diog. Laert. <Vit. ciar. kkllo». II. 65) erwähnt' in dessenBiographie dieß Sreigniß nicht, schreibt vielmehr (VI. 6) die von Bitruv an.geführte Sentenz dem Antistheneö zu. Galenuö erzählt dieß von SyrakuS.

2) Aus Ereboö auf LeSboS, Schüler des Platon und Aristoteles.