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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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aus den Augen die dicke Feuchtigkeit wegnehmend, eine feine unZscharfe Sehkraft zurückläßt. Außerdem vermindert die Luft die allzu-große Fülle der Säfte, indem sie dieselben, wenn der Körper durchdie Bewegung beim Herumwandeln warm wird, aus den Gliedernheraussaugt, und verdünnt sie, indem sie das, was mehr in demKörper enthalten ist, als derselbe» ertragen kann, verdunsten macht.

6. Daß aber dieß sich so verhält, das kann man daraus beobachten,daß, wenn Quellen unter Dächern sind oder sumpfige Lager unter derErde, aus diesen keine neblige Feuchtigkeit aufsteigt, daß jedoch anden bloß und unter freiem Himmel liegenden Plätzen die Sonne,wenn sie beim Aufgange mit ihrer Wärme die Welt berührt, aus demnassen und mit Feuchtigkeit übermäßig gesättigten Boden dieselbeherauszieht und sie zusammengeballt in die Höhe erhebt. Wenn essich daher so zu verhalten scheint, daß unter freiem Himmel die über-lästigen Säfte von der Luft aus dem Körper herausgesogen werden,so wie dieß an den aus der Erde kommenden Nebeln ersichtlich ist,so unterliegt es nach meinem Dafürhalten keinem Zweifel, daß manin den Städten möglichst geräumige und ausgeschmückte Promenadenunter offenem und freiem Himmel anlegen müsse.

7. Damit aber diese immer trocken und nicht schmutzig seien,wird man es also machen müssen. Man grabe und höhle diese sotief als möglich aus, und errichte zur Rechten und Linken Abzugs-kanäle aus Mauerwerk und füge in die gegen den Gang gewendetenMauern Röhren ein, die ihr unteres Ende schräg in die Abzugskanäleneigen. Nachdem dieß ausgeführt ist, fülle man jenen Raum (denausgegrabenen Weg) mit Kohlen an und schütte dann darüber grob-körnigen Sand aus und mache ihn eben: so wird durch die natürlichePorosität (Löcherigkeit) der Kohlen und durch die Einfügung der Röhrenin die Abzugskanäle der Ueberfluß an Wasser aufgefangen, und sowerden die Wandelgänge trocken und ohne Feuchtigkeit hergestellt sein.

8. Ueberdieß sind auch in diesen Anlagen in den Städten vonden Vorfahren Magazine für ein unentbehrliches Bedürfniß (Holz) ein-gerichtet worden; für einen Belagerungsfall nämlich sind alle übrigenVorräthe leichter zu beschaffen, als der Hölzvorrath. Denn dasSalz wird vorher noch leicht eingeführt; auch das Getreide wird vonStaatswegen und durch Private herbeigeführt; und wenn e§ daran