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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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hin und wieder meist ganze Wände damit überzogen; dasselbe ist derFall mit Berggrün, Purpurroth und Armenischblau. Wenn abersolche Farben aufgelegt sind, so bieten sie, wenn auch nicht von Künst-lerhand aufgetragen, doch dem Auge einen glänzenden Anblick dar,weil sie jedoch so kostbar sind, hat man sie durch die Gesetze bedacht,so daß sie ausnahmsweise von dem Bauherrn, nicht von dem Unter-nehmer geliefert werden müssen. (VI.) Um nach Möglichkeit zu mah-nen, daß man von dem Abwege, auf den man in der Wandmalerei ge-rathen, wieder ablenken möge, habe ich mich jetzt genug ausgebreitet:jetzt will ich von der Zubereitung der Verputzmaterialien und derenVortheilen sprechen, und zwar, da von dem Kalke anfänglich schongesprochen wurde, jetzt zunächst vom Marmor.

Verarbeitung des Marmors zum Verputz.

1. Der Marmor kommt nicht in allen Gegenden in gleicherBeschaffenheit vor, sondern nur an gewissen Plätzen haben die Mar-morstücke ein durchscheinendes Korn wie Salz, und diese erweisen sichgestoßen und gemahlen als sehr passend für Verputz und Stukatur.Wo aber das Material sich nicht so findet, werden die Marmorbruch-steine oder sogenannten Splitter, welche bei der Marmorbearbeitungabfallen, in eisernen Mörsern gestoßen, gemahlen und gesiebt. Dieses(in verschiedenen Graden) gesiebte Material aber wird in drei Gat-tungen geschieden, und die gröbere wird, wie dieß oben beschriebenworden ist, zunächst nach dem feinsandigen Anwurf, und zwar mitKalk gemischt, aufgetragen, dann die folgende und endlich die dritte,welche die feinste ist. 2. Nachdem diese aufgetragen und durch sorg-fältiges Abschleifen des Verputzes geglättet sind, ist bezüglich derFarben darauf Bedacht zu nehmen, daß sie auf der Wand einendurchschimmernden Glanz erlangen. (Mit dem Unterschiede zwischendiesen und mit ihrer Herstellung verhält es sich so)'). (VII.) Es gibt

*) DaS in Parenthese Gegebene ist Ergänzung des Jocundus, von Schnei-der und Marini in der Hauptsache gebilligt. Lvrenhen <0li8ervstione8 critieae»6 Vitruvium. Gvtha >858) bringt aber eine' andere sehr scharfsinnige Zu-