3. Aber wenn Jemandem besonders daran liegt und derselbewill, daß der Zinnoberanstrich Farbe halte, so trage er, wenn dieWand bemalt und trocken ist, mit einem Borstenpinsel panischesWachst, welches durch Erhitzung flüssig gemacht und mit etwaswenig Oel versetzt ist, auf, dann bringe er vermittelst Kohlen ineinem eisernen Becken das Wachs mit der Wand zunächst durch Er-hitzung zum Schwitzen, und zwar so, daß es sich gleichmäßig vertheilt;dann reibe er es mit einer Wachskerze 2) und mit einem Linnenlappenab, wie man dieß auch bei nackten Marmorstatuen vorzunehmen pflegt.4. Dieß Verfahren aber heißt auf griechisch Koniasis ^). So wirdder schützende Panzer aus panischem Wachse nicht gestatten, daßMondschein oder Sonnenstrahlen aus einem solchen Anstriche dieFarben Heraussaugen. Die Zinnoberhütten aber, welche bei denBergwerken der Ephesier waren, sind jetzt nach Rom verlegt, deshalb,weil Adern desselben Metalles nachmals auch auf spanischem Bodengefunden wurden und die Erze aus diesen Bergwerken nach Rom ge-bracht werden, wo sie von Staatspächtern verarbeitet werden. DieseWerkstätten aber sind zwischen dem Tempel der Flora und des Qui-rinus.
3. Der Zinnober wird auch gefälscht, und zwar durch Bei-mischung von'Kalk: wer ihn also untersuchen will, ob er unverfälschtsei, wird es also machen müssen. Er nehme ein Eisenblech, legeetwas von dem Zinnober darauf und setze es an's Feuer, bis dasEisen glüht; sobald von der Glühhitze die Farbe verändert und
1) Nach Plinius (XXI. 49) wohl nichts Anderes, als gebleichtes Wachs(Jungfernwachs); vielleicht war das Verfahren von den Karthagern entlehntund so der Name.
2) LLnäeM. Aus der Kerze machten einige Erklärer Wachsstücke. Eshat jedoch schon Schneider bemerkt, daß an der bereits mit Wachs bestrichenenFläche Wachs überflüssig sein müsse, und Marini sucht daher einen anderenAusweg. Es jagt nämlich Plinius (XVI. 70), daß man aus der Hülle derBinsen Kerzen mache, und Marini glaubt, daß demnach diese Hülle überhauptesnZela genannt worden und hier gemeint sei. Ich kann indeß dieser weit-hergeholten Erklärung nicht beipflichten.
6) Es ist dieß Verfahren noch keineswegs die eneau8ls, die enkaustischeMalerei, bei der verschiedenfarbige Wachse aufgetragen und mit einem heißenEisengriffel eingebrannt wurden, sondern die eireumlitio (Plin. XXXV. 4V).