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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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fel-, alaun- oder erdharzhaltigen Boden gerathen sind, denn dannwerden sie verändert und, mögen sie nun warmes oder kaltes Was.ser haben, von einem Übeln Gerüche oder Geschmacke durchzogen.9. Denn an dem warmen Wasser ist an sich keine besondere Eigen-schaft, sondern wenn kaltes Wasser in seinem Laufe in heißen Bodengeräth, erhitzt es sich und tritt erwärmt durch die Adern aus der Erdehervor; deshalb kann es auch nicht länger warm bleiben, sondernwird in kurzer Zeit wieder kalt. Denn wenn es von Natur auswarm wäre, würde seine Wärme nicht wieder erkalten. Geschmack,Geruch und Farbe des Wassers aber wird nicht wieder nach dem ur-sprünglichen Zustande hergestellt, weil diese Eigenschaften demselbenin Folge seines porösen Wesens einverleibt und ganz mit ihm ver-mischt find.

Warme Quellen und Eigenthümlichkeiten verschiedener Quellen, Flüsseund Teern.

1. Es gibt aber auch einige warme Quellen, aus welchen Was-ser vom besten Geschmack entspringt, das so angenehm zu trinken ist,daß man sich dafür weder das Wasser der Camönenquelle, nochBrunnenwasser von der marcischen Leitung') wünscht. Diese aberentstehen auf natürlichem Wege in folgender Weise. Wenn tief imInnern der Erde durch Alaun, oder Bitumen, oder Schwefel Feuerentzündet wird, macht es durch seine Hitze die Erde ringsum glühend,nach oben aber sendet es in den oberhalb liegenden Boden seinenGluthauch aus, und wenn in den oberen Regionen Süßwasserquellenentspringen, so werden sie durch diesen Gluthauch innerhalb ihrerAdern erhitzt und treten so, ohne in ihrem Geschmacke verdorbenworden zu sein, zu Tage.

2. Es gibt auch kalte Quellen, welche keinen guten Geruch undGeschmack haben, nämlich solche, welche, tief im Jnnnern der Erdeentsprungen, durch heiße Stellen hindurchgehen und hierauf, noch

t) Bon Plinius (XXXl. 24) als das beste Lrinkwaffer gepriesen.