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Des Vitruvius zehn Bücher über Architektur / übers. und durch Anmerkungen und Risse erläutert von Franz Reber
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gibt man ihr einen nicht hohen Unterbau, so daß sie so lange alsmöglich in demselben Niveau bleibe: dieß aber wird der Bauch sein,den die Griechen Koilia (Bauchhöhlung) nennen: erreicht dann dieLeitung die gegenüberliegende ansteigende Seite, so ist sie durch denlangen Zwischenraum des Bauches sanft angeschwellt und wird sozum Gipfel der Anhöhe aufwärts gepreßt. 6. Wenn man dagegenin Thälern keinen Bauch angelegt, noch einen wagrechten Unterbauhergestellt hat, sondern die absteigende Leitung nach aufwärts ineinem Winkel bricht, so wird sie platzen und die Fügung der Röhrenzerreißen. Auch im sogenannten Bauche sind Kammern anzulegen,damit durch diese die Gewalt des Luftdrucks abgeschwächt werde.Auf diese Weise werden diejenigen, welche das Wasser durch Blei-röhren leiten wollen, dieß aufs allerbeste in's Werk setzen können,weil sowohl die Senkungen, als das Umgehen derselben, sowohl diesogenannten Bäuche, als die Hebungen, nach obigem Verfahren aus-geführt werden können, wenn das Niveau vom Anfang der Quellebis zu den Stadtmauern das richtige Gefall hat. 7. Ferner ist esnicht undienlich, in Abständen von 24,000 Fuß Sammelräume an-zubringen, damit, falls einmal irgend eine Stelle Schaden nimmt,dadurch nicht das ganze Werk unbrauchbar wird, und damit manleichter finde, an welcher Stelle der Fehler liege. Aber jene Sam-melräume dürfen weder bei einer Senkung, noch in der vertieftenFläche des sogenannten Bauches, noch bei Hebungen, noch über-haupt an Thälern angebracht sein, sondern nur auf fortlaufenderEbene.

8. Will man aber mit geringerem Aufwande eine Wasserlei-tung legen, so hat man also zu verfahren. Man stelle Röhren ausdichtem Thon mindestens zwei Zoll stark her, jedoch so, daß dieseRöhren sich nach einer Seite zu verjüngen, damit sie, eine in dieandere hineingesteckt, sich aneinanderfügen können: die Fugen der-selben aber verstreiche man mit lebendem Kalk, der mit Oel ange-macht ist, und bringe an den Biegungen der beiden Enden der sog.Bauchfläche einen in diesem Winkel selbst gearbeiteten Block ausRothstein an, der so durchbohrt ist, daß die letzte Röhre der Sen-kung in den Block eingefügt werden kann, und in ähnlicher Weise aufder anderen Seite die erste Röhre der Bauchebene; in derselben Art