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oben erhebt. Da mithin die Sonne den Luftraum, der über ihr ist,mit ihren Strahlen erhitzt, so macht sie den Raum, in welchem Marsseine Bahn hat, glühend, und so wird auch er von dem Sonnen-brände glühend. Saturn dagegen ist, weil er dem äußersten Randedes Weltraumes zunächst ist und die eisigen Himmelsregionen berührt,grimmig kalt. Somit dürfte Jupiter, da er zwischen den Kreisbahnenbeider seine Bahn hat, zwischen der Kälte und Wärme beider in derMitte liegend, die ihm dadurch zukommende vollkommen gemäßigteWärme haben.
(II.) Von dem Gürtel der zwölf Sternbilder und von der Thätig-keit und der Bahn der sieben Planeten, von den Gesetzen und dem Zah-lenverhältnisse, wonach sie ein Sternbild nach dem anderen durchziehen,und von dem Umfang ihrer Bahnen habe ich, so wie ich dieß vonden Lehrern empfangen habe, gehandelt: jetzt will ich von dem wach-senden und abnehmenden Lichte des Mondes, so wie uns dieß vonunseren Vorgängern überliefert worden ist, sprechen.
Ibrntes Anxrtel.
Von dem wachsenden und abnehmenden Lichte des Mondes.
1. BerosoS 9, welcher, von dem Staate oder vielmehr Volkeder Chaldäer kommend, in Asien auch eine chaldäische Schule eröff-nete, hat sich bezüglich des Mondes zu folgender Ansicht bekannt:Er sei ein Ball, der aus einer Seite leuchte, auf der anderen aber die
i) Ob dieser Chaldäer BerosoS derselbe sei. der unter Alexander demGroßen geboren, als Belpriester drei Bücher über die Chaldäer geschrieben,welche er dem syrischen Könige Antiochus Soter zueignete; oder ob der Astronomvon dem Geschichtschreiber zu unterscheiden sei, ist zweifelhaft. Dem Belpriesterwürden astronomische Kenntnisse wohl eignen, da z. B- der berühmte terrasstrteBeltempel von Borsippa (BirS Nimrud), wie nach Strabo XVI. 739 zu ver-muthen ist, eine der hervorragendsten chaldäischen Sternwarten war. Vergl.meine Geschichte der Baukunst im Alterthum S. 19— 2ü. Wie aus demsechsten Kapitel hervorgeht, gründete BerosoS auf der Insel Kos eine Schule.Bon hier aus wahrscheinlich machte sich auch BerosoS durch seine astronomischenoder astrologischen Vorhersagungen einen in Griechenland bekannten Namen,so daß ihm die Athener im Gymnasium eine Statue nüt vergoldeter Zungeerrichteten. (Plin. VII. 37.)