Band 
Zweiter Band.
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Heimatsagen

s. Der Untergang von TSsch.

Von Johannes Jegerlehner.

Im Vispertal, zwischen Randa und dem weltberühmtenZermatt, liegt das Dörfchen Täsch. Unweit der kleinen Ort-schaft führt der Weg durch eine Wildnis von großen Blocken,die mit Moosen, Brombeerstauden und andern Schling-pflanzen überwuchert sind. Wer sich die Steinwildnis etwasnäher besieht, merkt, daß die Massen von der Felswand überder Schräghalde heruntergestürzt sind; aber kein Mensch ahnt,daß unter diesen Trümmern das alte Dorf Täsch begrabenliegt. In heiligen Zeiten sollen Quatemberkinder das Elöck-lein der zertrümmerten Kirche hören, und das soll geradetönen wie das Summen eines Brummels, der über Blüten-sterne dahinfliegt.

Zu der Zeit, als das Dörfchen noch stand, trat ein ärm-lich gekleideter Mann mit einem schönen blonden Vollbartzu der reichsten Bäuerin, die eben in einem großen KesselKartoffeln sott. Das Hemd des Mannes war über der Brustgeöffnet, und ein schwarzer Schlapphut beschattete das hagereAntlitz. Er bat die Bäuerin, sie möchte ihm von ihrem Über-fluß ein Almosen geben; bei allen Häusern sei er abgewiesenworden, und er hätte doch den ganzen Tag nichts gegessen undspüre den größten Hunger. Die Bäuerin machte ein böses Ge-sicht, streckte den Arm zur Abwehr aus und schüttelte die Rechte.Sie sei nicht gewohnt, Bettler und Faulenzer zu Tische zuladen, er sei noch jung und könne sich sein Brot selbst verdienen.Damit schlug sie die Türe zu. Da richtete sich der Bettler aufund sagte:O du unverschämtes Weib, hättest du mir dasAlmosen gewährt, so wäre in deine Speisen so viel Segengekommen, daß du immer satt geworden wärest; aber da duso geizig und hartherzig bist, sollst du samt deinem Dorfe ver-flucht und vermaledeit sein!" Damit ging der Fremde wegund lenkte seine Schritte zu der letzten Hütte des Dorfes.Es war ein vor Alter schwarz gewordenes Holzhaus mit zweierblindeten Fensterchen. Die reiche Frau sah ihm durchsFenster nach und lachte:Dort soll er nur anklopfen, dieWitwe hat ja selbst nichts zu beißen!" Die arme Witweaber wies den Fremden nicht ab; sie sagte nur:Ich binarm und kann euch nichts anbieten; aber wenn ihr ein wenigwarten wollt, so hole ich mein Huhn, das draußen auf demMisthaufen die Kornspreuer zusammensucht und werde es