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Kindheit und heimischer Herd
142. Haussegen.
Von Peter Rosegger.
Der Rigler auf der Höh' baut sich ein Wohnhaus.
Man kann die Hammerschläge und das Schreien derArbeiter und das Kollern der Holzstücke schon von weitemhören, und der Wald jenseits der Schlucht macht alles nach.Und der baut doch kein Haus; er steht nur da und sieht zuund versucht das Kollern und die Hammerschläge und selbstdas Lärmen der Leute.
Wir sind durch den Wald gekommen und sehen nun denneuen Bau. Er ist ganz von Holz, aber in der Sonne siehter lichtgolden aus und steht stolz da, und auf den Gerüsteneilen Arbeiter hin und her, tragen und schieben Balken.Auf dem Dachstuhle klettern andere und hämmern, und ganzoben am Firste steht auch einer und hält einen grünen Baum-wipfel, an welchem bunte Bänder flattern, und schwingt ihnund jauchzt auf und schießt eine Pistole ab, und — nun wirdplötzlich alles still, die Leute legen ihre Werkzeuge aus derHand und entblößen die Häupter.
Da erhebt der auf dem Dach feierlich ein volles Weinglas,und mit lauter Stimme spricht er den Haussegen:
„Gott beschütze dieses Haus!
Glück herein, Unglück hinaus!
Jedem, der vorübergeht,
Das Haus zur Einkehr offen steht,
Und wer drinnen, bleibe frisch und gesundUnd stets gesegnet viel' Tag' und Stund'.
Sankt Florian beschütz' auch all'.
Das Korn im Kasten, das Vieh im Stall.
Die scheckigen Küh', die braune Kalb'n,
Die treibt fein lustig auf die Alm;
Dort oben gibt es grüne Wasen,
Tun Küh' und Kalben friedlich grasen!
Ich rufe an den heiligen Erhardi,
Den heiligen Patrizi und Medardi,
Und ich lade sie ein ins neue Haus,
Und Maria Mutter Gottes auch!
Und die heiligste DreifaltigkeitZum Schutz und Segen in Ewigkeit!"