186. Lied eines Landmanns in der Fremde.
Von Johann Eaudenz v. Salis-Seewis.
1. Traute Heimat meiner Lieben!Sinn' ich still an dich zurück,
Wird mir wohl, und dennoch trübenSehnsuchtstränen meinen Blick.
2. Stiller Weiler, grün umsangenVon beschirmendem Gesträuch!Kleine Hütte, voll VerlangenDenk' ich immer noch an euch!
3- An die Fenster, die mit RebenEinst mein Vater selbst umzog,
An den Birnbaum, der danebenAuf das niedre Dach sich bog;
4. An die Stauden, wo ich MeisenIm Holunderkasten sing;
An des stillen Wassers Schleusen,Wo ich Sonntags fischen ging.
5. Was mich dort als Kind
erfreute,
Kommt mir wieder lebhaft vor;Das bekannte DorfgeläuteWiderhallt in meinem Ohr.
6. Selbst des Nachts in meinen
Träumen
Schiff' ich auf der Heimat See,Schüttle Äpfel von den Bäumen,Währe ihrer Wiesen Klee;
7. Lösch' aus ihres Brunnens
Röhren
Meinen Durst am schwülen Tag,Pflück' im Walde Heidelbeeren,Wo ich einst im Schatten lag.
8. Wann erblick' ich selbst die
Linde,
Auf den Kirchenplatz gepflanzt,,Wo, gekühlt vom Abendwinde,Unsre frohe Jugend tanzt?
9. Wann des Kirchturms
Eiebelspitze,Halb im Obstbaumwald versteckt,Wo der Storch auf hohem SitzeFriedlich seine Jungen heckt?
10. Traute Heimat meiner Vater,Wird bei deines Friedhofs TürNur einst, früher oder später,
Auch ein Ruheplätzchen mir!
187. Juralandschaft.
Aus dem Böcklin-Buch von Adolf Frey.
Die bis in die Kindheit hinaufreichenden Wanderungenund Streifereien im Basier Jura haben Böcklin unverlösch-liche, für seine Phantasie und damit für seine Kunst bestim-mende Eindrücke hinterlassen. Denn solche starke und stetigwiederholte Eindrücke der Frühzeit färben und befruchten