Band 
Zweiter Band.
JPEG-Download
 

185. Wie unsere Voreltern Baumwolle spannen.

Von Johann Wolfgang Goethe.

Endlich gelangt' ich so erzählte Lenardo den Freundenvon seinen Erlebnissen auf der Schweizerreise an derSeite auf einen freien Felsen, wo St. Christoph, der meinGepäck kräftig einhertrug, einen Mann begrüßte, welcher,stille dastehend, den vorbeiziehenden Zug zu mustern schien.Es war auch wirklich der Anführer; nicht nur gehörte ihmeine beträchtliche Zahl der lasttragenden Tiere, andere hatteer nebst ihren Treibern gemietet, sondern er war auch Eigen-tümer eines geringern Teils der Ware; vornehmlich bestandsein Geschäft aber darin, für größere Kaufleute den Trans-port der ihrigen treulich zu besorgen. Im Gespräch erfuhrich von ihm, daß dieses Baumwolle sei, welche aus Maze-donien und Cypern über Trieft komme und vom Fuße desBerges auf Maultieren und Saumrossen zu diesen Höhenund weiter bis jenseits des Gebirges gebracht werde, woSpinner und Weber in Unzahl durch Täler und Schluchteneinen großen Vertrieb gesuchter Waren ins Ausland vor-bereiteten. Die Ballen waren bequemeren Ladens wegenteils anderthalb, teils drei Zentner schwer, welches letzteredie volle Last eines Saumtieres ausmacht. Der Mann lobtedie Qualität der auf diesem Wege angekommenen Baum-wolle, verglich sie mit der von Ost- und Westindien, beson-ders mit der von Cayenne, als der bekanntesten; er schienvon seinem Geschäft sehr gut unterrichtet, und da es mirauch nicht ganz unbekannt geblieben war, so gab es eine