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Zweiter Band.
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Gleichnis und Erempel

„Es ist wahr," erwiderte das Gras, „ehe ich etwas wertbin, kann dein ewiger Unwert hundertmal entstehen undhundertmal wieder vergehen".

28. Der Strahl und der Graswurm.

Von Heinrich Pestalozzi.

„Die Menschen klagen so viel über mich, und ich nagedoch nur an einem armseligen Blatt; du hingegen verbrennstHäuser und Dörfer!" Also sagte der Graswurm zum schreck-lichen Strahl. „Kleiner Heuchler," donnerte ihm dieser her-unter, „du verheerst mit stillem Vlätterfressen weit mehr,als ich mit meiner lauten, gewaltigen Kraft."

29. Die Stachelschweine.

Von Arthur Schopenhauer.

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einemkalten Wintertage recht nahe zusammen, um durch die gegen-seitige Wärme sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedochbald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, worauf sie sichdann wieder von einander entfernten. Wann nun das Bedürf-nis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte,wiederholte sich jenes zweite Übel; so daß sie zwischen beidenLeiden hin und hergeworfen wurden, bis sie eine mäßigeEntfernung voneinander herausgefunden hatten, in der siees am besten aushalten konnten. —

Und diese Entfernung nannten sie Höflichkeit und feineSitte.

3V. Die Oase.

Von Arthur Schopenhauer.

Eine schöne, grünende und blühende Oasis sah um sich underblickte nichts als die Wüste rings umher: vergebens suchtesie ihresgleichen gewahr zu werden. Da brach sie in Klagenaus: „Ich unglückliche, vereinsamte Oasis! allein muß ichbleiben! nirgends meinesgleichen! ja, nirgends auch nurein Auge, das mich sähe und Freude hätte an meinen Wiesen,Quellen, Palmbäumen und Eefträuchern! Nichts als dietraurige, sandige, felsige, leblose Wüste umgibt mich. Washelfen mir alle meine Vorzüge, Schönheiten und Reichtümerin dieser Verlassenheit!"