Gestalten und Geschicke
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is Da rennt ein Bote in schnellem LaufDie steile Straße des Dorfs hinauf;
Aus Tür und Fenster sieht man ihm nachUnd fragt, was der wohl eilen mag?
Im Pfarrhof droben steht er nun20 Und stampft den Schnee von den Nagelschuhn.Der Wigand ist es von Schönenberg;
Ins Fenster lugt er überzwerch,
Ob heute der alte Herr, wie immer,
Liest oder betet im kleinen Zimmer.
25 Er will ihn rufen in Todesnot;
Sein Vater aß das letzte Brot
Und schmachtet nun nach der Himmelsspeise,
Der Labekost für die schwere Reise. —
oo
Der Pfarrer Gerhard Lödige sitzt,
Das greise Haupt auf die Hand gestützt,
Vertieft in einem schweren Quartanten,Beschlagen mit Messingspangen und Kanten.
Er hatte schon so manches JahrAls treuer Hirt die Lämmerschar35 Bewacht und geweidet auf grüner Hulde;
Nun denkt er des Heimgangs, balde, balde,Und müde der Welt, der Nacht und Not,
Gehn seine Gedanken ins Morgenrot.
Er hört des Boten geflügeltes Wort,
40 Nach Nieheim schickt er zum Arzt ihn fort;Dann ruft er den Hausknecht sonder Säumen»Der soll ihm hurtig den Fuchsen zäumen.Demütig war er jahrelangZu Fuß gewandert so manchen Gang,
45 Bis Gliederfahren und ZipperleinIhm mählich lahmten Arm und Bein;
Jetzt muß er, will er die Pflicht erfüllen,
Ein Rößlein reiten, auch wider Willen.
Er küßt das heilige Sakrament50 Im Silberkreuz und birgt es behendAn seiner Brust; die Stelle ist reinWie in der Kirche der Heiligenschrein.Und Hut und Mantel nimmt er dann;Zuletzt noch zieht er die Handschuh' an,55 Zwei langgeschonte und tugendreiche,