Aus dem Balladcnschatz
5. Du kommst dort über den Meßbuch nicht.
Euch Schützen geben die Blitze Licht;
Ceschmähet seid ihr — trefft ihn gut!
Wascht rein die Schmach in seinem Blut!" —
6. Da pocht's an die Tür; er fährt empor,
Er öffnet schnell — wer steht davor? —
„Du, Polo? — zu mir? — zu solcher Zeit?
Was willst du? Rede!" — „Gastlichkeit!
7. Die Nacht ist schaurig, unwegbar das Tal,
Es lauern mir auf die Deinen zumal." —
„Ich weiß dir Dank, daß würdig du hast
Von mir gedacht; willkommen, mein Gast!"
8. Er führt ihn zu den Frauen hineinUnd heißt sie ihm bieten Brot und Wein;
Sie grüßen ihn staunend, gemessen und kalt;
Die Hausfrau schafft ohn' Aufenthalt.
9. Sobald er am Herd sich gewärmt und gespeist,Erhebt sich Rocco, der folgen ihn heißt,
Und führt ihn selbst nach dem obern Gemach:„Schlaf unbesorgt, dich schirmt mein Dach."
10. Er steht, wie im Osten der Morgen graut,Vor seinem Lager und rufet laut:
„Wach auf! steh auf! es ist nun Zeit;
Ich gebe dem Gast ein sich'res Geleit."
11. Er reicht ihm den Imbiß und führet alsbaldIhn längs des Tals durch den finsteren Wald
Und über den Eießbach die Schlucht hinanBis oben auf den freiern Plan.
12. „Hier scheiden wir. Nach KorsenbrauchHab' ich gehandelt, so tätest du auch;
Die Rache schlief; sie ist erwacht:
Nimm fürder vor mir dich wohl in acht!"
S3. Der rechte Barbier.
Von Adelbert v. Chamisso.
1. „Und soll ich nach PhilisterartMir Kinn und Wange putzen,
So will ich meinen langen BartDen letzten Tag noch nutzen;