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Tierwelt
Wohlan, meine liebe Spinne, wenn du mausetot bist, somutz man dich in einen Sarg legen. Da habe ich ein leeresStreichholzbüchschen bei mir; darin will ich dich mit mirtragen und sehen, wer es länger treibt, du oder ich.
Denkt sich die Spinne: Auch gut. Und kollert in dasBüchschen und ist tot.-
Ich stand auf, ging nach Hause und war begierig zu er-fahren, was daheim auf dem Tisch mein Spinnlein machenwürde. Vielleicht wird es sich immer noch tot stellen. Viel-leicht wird es wirklich tot sein, obwohl ich darauf achtete, datzes in seinem Verließ nicht ersticken konnte. Die Lunge voneinem solchen Tierchen möchte ich einmal sehen. — Vielleichtläuft es, befreit, auch allsogleich davon.
Die Spinne aber dachte in ihrem Streichholzschüchtelchen:Das ist sehr finster. Ich habe acht Augen, und keines siehtwas. Und ein Schaukeln, datz einem übel werden könnte,wenn man's von wackelnden Halmen und Ästen her nicht ge-wohnt wäre. Ich will mir aber eilig Fäden spinn.en, mankann nicht wissen, in welche Lage man gerät. Das Un-geheuer scheint mir spinnefeind zu sein; stärker ist es, als ich;wenn ich nicht gescheiter bin, so kann's mir schlecht gehen.
Ich komme heim, versammle meine Kinder um den Tisch,erzähle ihnen die Geschichte von der schlauen Spinne undfordere sie auf, zu betrachten, was nun geschehen würde, wennich das Schächtelchen öffne.
Und was geschah?
Kaum datz das Büchschen geöffnet war, flog die Spinneheraus — flog. Es war — ich wußte nicht wie, auf einmalein Faden durch die Luft gespannt, und auf dem lief sie hin,wie eine, die nicht allein das Komödienspielen, sondern auchdas Seiltanzen gelernt hatte. — Oho! Spinne, so haben wirnicht gewettet. Ich zerstörte den Faden, da fiel sie auf denTisch und lief rat- und planlos hin und her. Jetzt sprang sieauf ein Buch, gleichsam, als wollte sie von dem erhöhtenGegenstände eine Aussicht gewinnen. Aber die Aussicht aufdie nahen Ungetüme und auf die fernen Fenster schien ihrtrostlos gewesen zu sein — augenblicklich lag wieder einKügelchen da, leblos und erstarrt.
So lag sie über eine Stunde, und wir hielten Rat, wasnun mit ihr zu machen sei. Meine Stimme war die einzige,die sie vor Ärgerem schützte, aber diese Stimme ist so, datz siemanchmal respektiert wird.