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Zweiter Band.
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Heimat und Vaterland

den Schöpfergeist eines Künstlers. Sie mögen lange schlum-mern und versunken scheinen, sie brechen früher oder späterwieder hervor; sie sind Samen, die unfehlbar aufgehen undFrüchte tragen, welche Körner auch das Schicksal in der Folge-zeit hinzustreuen mag.

Die Hänge des Basier wie des Solothurner und AargauerJura sind meist bewaldet. Doch übersteigen Buchen und Tan-nen, die weitaus vorherrschenden Baumbestände, nur seltendas Mittelmaß. Dagegen wuchert und wildert das Unterholzüppig, vielfach überklettert und durchsponnen von der Wald-rebe. Auf den Lichtungen dieses Unterholzes tummelt sicheine unzählbare bunte Welt von Insekten, namentlichSchmetterlinge. Zauberisch ist die stellenweise in gewaltigerFülle blühende Hagrose.

Gipfel und Hochweiden sind wasserarm, aber die beschei-denen und seltenen Büchlein von oben bis unten in strotzendesBlumen- und Blattwerk eingebettet. Die Bäche reißen untensteilwandige Schluchten in den Fels. Auch sonst leuchten ausBuchengrün oder schwarzen Tannensäumen häufig die grauenoder gelben Schilde der Kalkfelsen. Geheimnisvoll sind dieverschwiegenen Bergübergänge, die heimlichen, von Buchenoder einer Föhrengruppe überschatteten Bergwarten, ver-stohlene Luginslande; das eigenste aber die einsamen, vonFaltern funkelnden Waldwiesen und namentlich die schmalenverträumten Quertälchen, kleine Weltabschnitte für sich, hun-dert Paradieschen, auf einer einzigen Tagfahrt zu erwandern.

Die Jurahöhen sind monoton. Die weitgeschwungeneBerglinie, die sich leicht wiederholt, mutet wie der Refraineines gedämpften Klageliedes an. Nach der Tiefe zu wird derAnblick mannigfaltiger. Die Buchen- und Tannengürtel, ausdenen die Bergrücken aufragen, sinken in Wiesen und Äckerhinab, und sonnige Halden, oft dicht unter Felsblöcken undGeröll, umspinnt die Rebe.

Der Jura ist still und verträumt. Die Trümmerhalden,Felshöhlen und verwitternden Vurgställe umwandelt dieherbe, kurzangebundene Sage, sinnend, einsilbig, wie die Be-völkerung.

Aber er ist klar und sonnig. Er glänzt oft im ungedämpftenLicht, wenn die übrige Schweiz unter Nebel oder Regenschauert. Namentlich in der Herbstsonne schimmert der erhitzteKalkboden, die Felsen glühen und gleißen, besonders die-jenigen der Schluchten, denen des Hochlands an Poesie bei.