Band 
Zweiter Band.
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Heimat und Vaterland

Führer wanden sich durch die Felsen, um die sich der bekannteFußpfad schlingt, sehr geschickt herum, obgleich alles übereinzugeschneit war. Noch ging der Weg durch einen Fichten-wald; wir hatten die Rhone in einem engen, unfruchtbarenTal unter uns. Nach einer kleinen Weile mußten wir selbsthinab in dieses Tal, kamen über einen kleinen Steg undsahen nunmehr den Rhonegletscher vor uns. Es ist der un-geheuerste, den wir so ganz übersehen haben. Er nimmt denSattel eines Berges in sehr großer Breite ein, steigt un-unterbrochen herunter bis da, wo unten im Tal die Rhoneaus ihm herausfließt. An diesem Ausflusse hat er, wie dieLeute erzählen, verschiedene Jahre her abgenommen; daswill aber gegen die übrige ungeheure Masse gar nichts sagen.Obgleich alles voll Schnee lag, so waren doch die schroffenEisklippen, wo der Wind so leicht keinen Schnee haften läßt,mit ihren Vitriolblauen Spalten sichtbar, und man konntedeutlich sehen, wo der Gletscher aufhört und der beschneiteFelsen anhebt. Wir gingen ganz nahe daran hin; er lag unslinker Hand. Bald kamen wir wieder auf einen leichten Stegüber ein kleines Bergwasser, das in einem muldenförmigen,unfruchtbaren Tal nach der Rhone zu floß. Vom Gletscheraber rechts und links und vorwärts sieht man nun keinenBaum mehr; alles ist öde und wüste. Keine schroffen undüberstehenden Felsen, nur langgedehnte Täler, sacht ge-schwungene Berge, die nun gar im alles vergleichendenSchnee die einfachen, ununterbrochenen Flächen uns ent-gegenwiesen.

Wir stiegen nunmehr links den Berg hinan und sankenin tiefen Schnee. Einer von unsern Führern mußte voranund brach, indem er herzhaft durchschritt, die Bahn, in derwir folgten. Es war ein seltsamer Anblick, wenn man einenAugenblick seine Aufmerksamkeit von dem Wege ab und aufsich selbst und die Gesellschaft wendete, in der ödesten Gegendder Welt und in einer ungeheuren, einförmigen, schnee-bedeckten Eebirgswüste, wo man rückwärts und vorwärts ausdrei Stunden keine lebendige Seele weiß, wo man auf bei-den Seiten die weiten Tiefen verschlungener Gebirge hat,eine Reihe Menschen zu sehen, deren einer in des anderntiefe Fußstapfen tritt, und wo in der ganzen glatt über-zogenen Weite nichts in die Augen fällt als die Furche, dieman gezogen hat. Die Tiefen, aus denen man herkommt,liegen grau und endlos im Nebel hinter einem. Die Wolken