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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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Die »Schlacht vor Rabe».

mit Diethern, des Werners einzigem Bruder, der wenig älter als sieist, zurückbleiben. Dietrich befiehlt sie auf Leben und Ehre dem altenHelden Elsan. Niemals sollen sie auch nur vor das Thor kommen;mit eigner Hand droht er den Pfleger zu töten, wenn ihnen irgendLeides geschehe. Er bricht nun mit dem Heere gegen Raben auf, woErmenrichs Kriegsmacht liegt. Den Jünglingen aber ist herzlich leid,daß man sie nicht mitgenommen. Sie knieen vor ihrem MeisterElsan nieder und küssen ihm die Hände, daß er sie nur wenig vordie Stadt reiten lasse, all den herrlichen Bau zu sehen. Er wider-steht nicht ihren Bitten, und eh' er noch sich gerichtet, sie zu begleiten,sind sie schon zur Stadt hinaus. Es nahet schon dem Herbste, wodie Nebel stark sind; so kommen die drei Jünglinge auf einen un-rechten Weg, der sie über die weite Heide gegen Raben führt. Elsaneilt ihnen nach und findet sie nirgends um die Stadt; laut ruft undjammert er, ihm antwortet niemand. Vor dichtem Nebel kann er sieauch aus der Heide nicht erschauen. Den ganzen Tag streichen siehin und übernachten in einem Thal im Freien. Am Morgen reitensie weiter, gegen dem Meere nieder. Diether fängt an, diese Irrfahrtzu bereuen. Als aber der Nebel weicht und heiter die Sonne scheint,da bewundern Etzels Söhne die Herrlichkeit des Landes, darin derBerner immer mit Freuden wohnen sollte. Jetzt erblicken sie denRecken Wittich, der männlich unter seinem Schilde hält. Sie wollendiesen Verräter an Diethern und seinem Bruder sogleich angreifen,vbschon sie, statt Harnischs, nur Sommerkleider anhaben. Umsonstwarnt Wittich mehrmals. Scharpf reitet zuerst ihn an und schlügt ihmstarke Wunden, da zuckt Wittich mit Grimm das Schwert Miming;mit gespaltenem Haupte schießt der Jüngling vom Rosse. Wär' erzum Mann erwachsen, ihm hätten alle Reiche dienen müssen. Ortwill den Bruder rächen und erleidet gleichen Tod, obschon Diether ihmbeigestanden. Dieser kämpft noch bis zum Abend zu Fuße; seineSchnellheit, darin ihm niemand gleich ist, fristet ihn so lange; zuletztfällt auch er, durch das Achselbein bis auf den Gürtel gehauen. Ihnbetrauert Wittich, Dietrichs Zorn fürchtend; er will zu Rosse steigen,aber die Kraft versagt ihm, und er muß sich aus der Heide nieder-legen. All dieses geschieht um die Zeit zwölftägiger Schlacht, worinErmenrich bei Raben von dem Berner besiegt wird. Er entflieht zurStadt; den Verräter Sibich fängt der treue Eckhard und führt ihn,quer auf das Roß gebunden, durch das Heer. Dietrich freut sich aufder Walstatt des Sieges, da kommt Elsan und meldet, daß er diejungen Könige verloren. Mit eigenen Händen, wie gedroht war,schlügt Dietrich ihm das Haupt ab. Die drei Erschlagenen werdenauf der Heide gefunden. Dietrich küßt sie in die Wunden, verflucht