Ums Vaterwort.
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„Ich weiß nirgends mehr zu suchen", hatte mein Vater gesagtund war erschöpft auf einen Stuhl gesunken. — „Wenn er sich imWald vergangen hat oder unter dem Schnee liegt!" rief die Mutter,und erhob ein lautes Weinen. — „Sei still davon!" sagte derVater, „ich mag's nicht hören." — „Du magst es nicht hören undhast ihn mit deiner Wildheit selber vertrieben." — „Mit diesemZweiglein hätte ich ihm kein Bein abgeschlagen", versetzte er, undließ die Birkenrute auf den Tisch niederpfeifen. „Aber jetzt, wennich ihn erwisch', schlag' ich einen Zaunstecken über ihn entzwei." —„Thue es, thue es — 'leicht thut's ihm nicht mehr weh'," sagte dieMutter und setzte das Weinen fort. „Meinst, du hättest deineKinder nur zum Zornauslassen? Da hat der lieb' Herrgott ganzRecht, wenn er sie beb Zeiten wieder zu sich nimmt! Kinder mußman lieb haben, wenn etwas aus ihnen werden soll." — Hieraufer: „Wer sagt denn, daß ich den Buben nicht lieb hab'? InsHerz hinein, Gott weiß es! Aber sagen mag ich ihm's nicht; ichmag's nicht, und ich kann's nicht. Ihm selber thut's nicht so wehals mir, wenn ich ihn strafen muß, das weiß ich! — „Ich geh'noch einmal suchen!" sagte die Mutter. — „Ich will auch nichtdableiben!" sagte er. „Du mußt mir einen warmen Löffel Suppeessen! 's ist Nachtmahlszeit", sagte sie. — „Ich mag jetzt nichtsessen! Ich weiß mir keinen andern Rat", sagte mein Vater, knietezum Tisch hin und begann still zu beten.
Die Mutter ging in die Küche, um zur neuen Suche meinewarmen Kleider zusammenzutragen, für den Fall, daß man michirgendwo halberfroren finde. In der Stube war es wieder still,und mir in meinem Uhrkasten war's, als müsse mir vor Leid undPein das Herz brechen. Plötzlich begann mein Vater aus seinemGebete krampfhaft aufzuschluchzen. Sein Haupt fiel nieder auf denArm, und die ganze Gestalt bebte.
Ich that einen lauten Schrei. Nach wenigen Sekunden warich von Vater und Mutter aus dem Gehäuse befreit, lag zu Füßendes Vaters und umklammerte wimmernd seine Kniee.
„Mein Vater, mein Vater!" das waren die einzigen Worte,die ich stammeln konnte. Er langte mit seinen beiden Armen niederund hob mich auf zu seiner Brust, und mein Haar ward feuchtvon seinen Zähren.
Mir ist in jenem Augenblicke die Erkenntnis aufgegangen.
Ich sah, wie abscheulich es sei, diesen Vater zu reizen und zubeleidigen. Aber ich fand nun auch, warum ich es gethan hatte.Aus Sehnsucht, das Vaterantlitz vor mir zu sehen, ihm ins Augeschauen zu können und seine zu mir sprechende Stimme zu hören.