288 Die Häfnet-Jungfrau. — Die Marktweiber in der Stadt.
Z'allernöchst am Brünne, (der wüsset's) womer vcrbei sin.
In dem Brünne sitzt sie. Doch stigt sie an sunnige TageMengmol usen ans Land, strehlt in de goldige Hoore,
Und wenn näumer chunnt, wo selle Morge nit betet80 Oder d'Hoor nit gstrehlt und wo si nit gwäschen und putzt het,Oder jungi Bäum verderbt und andere 's Holz stihlt,
Seit me, sie nehm en in d'Arm und ziehnen oben in Brünne. -Vetter, i glaub sel nit. Me seit so wege de Chinde,
Aß sie süferli werden und niene näumis verderbe.
85 Vetter, wär es so gföhrli, bim Bluest, euch hätt sie in d'Arm gno,Wo mer nebe abe sin, und gwäschen im Brünne,
Und au wieder gstrehlt emol. — Nei, loset, was höri?
's Lütet z'Steine Mittag. Bal simmer dussen im Freie.
D'Zit wird eim doch churz im Laufe, wemmen au näumis90 Mit enandcr z'rede weiß und näumis z'erzähle.
Seig's denn au nit wohr, es isch nit besser, wenn's wohr isch.Sehnt der jez dört 's Schlößli mit stnen eckige Giblc?
Und das Dorf isch Steine. Do füre zieht si der Chilchweg.
107. Die Marktweiber in der Stadt.
Johann Peter Hebel.
1. J chumm do us 's Rotshere Hus,'s Isch wohr, 's sieht proper us;
Doch isch's mer, sie heizen o Müeih undUnd allerlei schweri Gidanke, (Not,
„Chromet stießen Anke!"
Wie's eben überal goht.
2. Jo weger, me meint, in der StadtSeig alles sufer und glatt;
Die Here sehn eim so lustig us,
Und 's Chrüz isch ebe durane,„Chromet junge Hahne!"Mengmol im properste Hus.
3. Und wemme gchämpft mueß ha,Goht's, meini, ehnder no a
Im Freie dusse, wo d'Sunn o lachtUnd Bluemen und Aehri schwanke,„Chromet süeßen Anke!"
Und d'Sterne flimmere z'Nacht.
4. Früeih, wenn der Tag vermacht,Was isch's nit für e Pracht!
Der lieb Gott, meint me, well selber cho,Er seig scho an der Chrischone,„Chromet grüeni Bohne!"
Und chömm jez cnanderno.
5. Und d'Vögeli meine s o,
Sie werde so busper und froh
Und singe: „Herr Gott, dich loben wir!"Und 's glitzeret ebe z'send ane;
„Chromet jungi Hahne!"
's Isch wohr, me verlueget si schier.
6. Und faßt e frische MuetUnd denkt: Gott meint's jo guet,
Tust hett der Himmel kei Morgerot;Er willis nummen o üebe,
„Chromet geli Rüebe!"
Mer bruche ke Zuckerbrot.
7. Und inncwendig am ThorHet menge d'Umhäng no vor,
Er schloft no tief und 's träumt em noUnd ziehn sie der Umhang fürsi,„Chromet schwarzi Chirsi!"
Se simmer scho alli do.
8. Drum merke sie's selber schierUnd chömme zum Pläsier
Uf's Land und hole ne frische MuetIm Adler und bim Schwane,„Chromet jungi Hahne!"
Und 's schmecktene zimli guet.