Aus dem Leben eines Taugenichts.
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Konnte sich das erbeutete Pferd auch nicht mit dem armen Saidmessen, so war es doch immerhin ein etwas frischeres Tier.
Umsichtig verließ er die Straße; bei jedem Hindernis lichtetesich die Schar seiner Verfolger. Wenige nur blieben ihm hart ausden Fersen. Man näherte sich dem Ziel. Ein Rennen auf Tod undLeben begann. Der kühne Reiter beurteilte die Gegend so richtig, alsob er sich auf wohlbekanntem Gebiet bewege. Dort, an jener Gelände-welle mußte er wohl auf die Vorposten der zweiten Armee stoßen.
Die zu enge Kopfbedeckung war ihm längst entfallen; den Mantelabzuwerfen gelang ihm nicht. Drei seiner Gegner hatten ihn fast er-reicht; zwei davon ritten ihm nahezu Seite an Seite. Mit der Klingehieb er aus die Flanken des keuchenden Rappen. Brüllend drängtendie andern heran.
Drüben war man aufmerksam geworden; man hielt die Daher-stürmenden für tollkühne Kundschafter.
Eben erhielt der Hauptmann einen Säbelhieb von links, derflatternde Mantel machte den Streich unwirksam. Da krachte auseiner unfernen Hecke eine Gewehrsalve. Drei Pferde stürzten mitihren Reitern; der Hauptmann blieb aufrecht.
Laut rufend gab er sich zu erkennen; dann bezeichnete ihm derherbeieilende Feldwachtkommandeur die einzuschlagende Richtung. Inmäßiger Gangart nahte er sich dem Ort. Vor einer Gruppe vonOffizieren sank er keuchend von: Pferd, gehalten von hilfsbereitenArmen. Man flößte ihm rasch Stärkung ein; dann berichtete erstockend, mit leiser Stimme, aber klar. Nur der General hörte es;die andern waren zurückgetreten. Mühsam schloß von M. die Mel-dung; er war aschfahl geworden. Man rief nach Hilfe. Mit schmerz-verzerrtem Gesicht öffnete der Tapfere die Augen. Er starrte insLeere. Ein Seufzer — dann lag er tot auf dem Rasen. Er hatteeinen Schuß im Unterleib; zwei Rippen waren gebrochen.
In Verkleidung hatte er seinen Ritt zu Ende führen müssen,aber es war doch eine Heldentat. So stirbt ein braver Soldat.
«Vgl. Nr. 98 .,
16. Aus dem Leben eines Taugenichts.
Von Joseph Freiherr von Eichendorff.
Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schonwieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vorn Dache, die Sper-linge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf derTürschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir warso recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater